Belcanto im Dienste des Ausdrucks
Nach «Guillaume Tell» (1829) hat Rossini bekanntlich keine Opern mehr geschrieben und sich ins Privatleben zurückgezogen. Er fühlte sich künstlerisch ausgebrannt und wurde von verschiedenen Krankheiten geplagt. In den fast vier Jahrzehnten, die ihm noch zu leben blieben, betrieb er das Komponieren nur noch als Liebhaberei, schrieb neben geistlicher Musik zahlreiche Klavierstücke und Lieder, die auch heute noch aufgeführt werden. Die Gesänge aus den «Soirées musicales» hat jeder italienische Sänger, der auf sich hält, im Repertoire, und «La danza» ist zum Schlager geworden.
Dass es beim späten, beim «Salon»-Rossini, auch noch Entdeckungen zu machen gibt, zeigt das vorliegende Album der Mezzosopranistin Anna Bonitatibus, die sich wie ihre Kollegin Cecilia Bartoli nicht damit zufriedengibt, ihre Virtuosenkünste unter Beweis zu stellen, sondern selbst nach Unbekanntem sucht und forscht. Die Ausbeute ist in diesem Falle ansehnlich.
«Mi lagnerò tacendo» auf einen Text von Metastasio ist hier in nicht weniger als sieben verschiedenen Versionen zu hören. Als «Arietta all’antica» erschien sie 1835 erstmals im Druck, in den nächsten zwei Jahrzehnten nahm sich Rossini mehrmals erneut des ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 18
von Ekkehard Pluta
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten....
Dmitri Schostakowitschs Frühwerk «Die Nase» – eine Oper nur für große Häuser? Der 1930 uraufgeführte Dreiakter vereint mehr als 80 (meist kurze) Solorollen und bis zu zehn Schlagzeuger im Graben. «Die Nase» ist eine jener Orchideen im Spielplan, die bei ihrem seltenen Erblühen von Kritik und Publikum meist das Siegel «Warum spielt man das nicht öfter?» erhalten....
Beschaut man die Szene, wird die Erinnerung an Schubert wach: Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus. Losgelöst von den Menschen, schwebt Lucia Ashton – soeben hat sie den ihr aufgezwungenen Gatten Arturo gemordet – im blutbefleckten Hochzeitskleid die Treppe hinab in den Saal (Bühne: Robert Pflanz), besteigt den festlich gedeckten Tisch, liegt dort,...
