Unterkühlte Ekstase
Am Ende zieht Roger seine Lackschuhe aus und begrüßt an der Rampe emphatisch die aufgehende Sonne. Aber er bleibt nicht, wie im Libretto vorgesehen, mit seinem arabischen Ratgeber Edrisi allein. Zwar ist die den Verlockungen des göttlichen Hirten erliegende Menge abgezogen, doch seine Frau Roxana, der Erzbischof, die Diakonissin und ein kleiner Junge bleiben zurück und schreiten, abgewandt, langsam auf die hintere Wand zu.
Johannes Erath, der Karol Szymanowskis magisch gleißendes Stück jetzt in Frankfurt inszeniert hat, lässt bewusst offen, wie wir diesen Schluss verstehen sollen – als nietzscheanisches Bekenntnis zu sich selbst oder als trügerischen Aufbruch, der in der Agonie gipfelt.
Mit dem namengebenden sizilischen König hat Roger nichts zu tun. Er dient Szymanowski nur als Folie für ein intellektuelles Gedankendrama, das den uralten Konflikt zwischen Geist und Materie, Vernunft und Trieb, Ordnung und Lustprinzip in aller Radikalität symbolisch freilegt. Ein geheimnisvoller Hirte, Verkünder eines gefährlichen, die Liebe und die Schönheit feiernden unbekannten Gottes, stürzt den Staat in Unruhe und gewinnt Anhänger. Roger will ihm den Prozess machen, scheitert und wird selbst ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert
Schönes Entrée: Unzählige bunte Fahnen flattern am Ausgang des Rotterdamer Hauptbahnhofs im Wind, sämtlich tragen sie die Aufschrift «Operadagen». Das Festival, das im Mai seine 14. Ausgabe feierte, ist ein Großereignis in der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde und mit ihrem Mut für avantgardistische Baukonzepte als Ikone...
Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Gerade ist der israelisch-palästinensische Konflikt wieder voll entflammt. Und von Frieden in Syrien kann nach wie vor keine Rede sein. Kaum eine Region ist seit jeher so permanent umkämpft worden. Eroberer, Invasoren, Herrscher, Systeme wechselten sich ab, stets regierten auswärtige Mächte mit und hinein, die sich in...
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin...
