Unterkühlte Ekstase

Szymanowski: Król Roger
Frankfurt | Oper

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Am Ende zieht Roger seine Lackschuhe aus und begrüßt an der Rampe emphatisch die aufgehende Sonne. Aber er bleibt nicht, wie im Libretto vorgesehen, mit seinem arabischen Ratgeber Edrisi allein. Zwar ist die den Verlockungen des göttlichen Hirten erliegende Menge abgezogen, doch seine Frau Roxana, der Erzbischof, die Diakonissin und ein kleiner Junge bleiben zurück und schreiten, abgewandt, langsam auf die hintere Wand zu.

Johannes Erath, der Karol Szymanowskis magisch gleißendes Stück jetzt in Frankfurt inszeniert hat, lässt bewusst offen, wie wir diesen Schluss verstehen sollen – als nietzscheanisches Bekenntnis zu sich selbst oder als trügerischen Aufbruch, der in der Agonie gipfelt.

Mit dem namengebenden sizilischen König hat Roger nichts zu tun. Er dient Szymanowski nur als Folie für ein intellektuelles Gedankendrama, das den uralten Konflikt zwischen Geist und Materie, Vernunft und Trieb, Ordnung und Lustprinzip in aller Radikalität symbolisch freilegt. Ein geheimnisvoller Hirte, Verkünder eines gefährlichen, die Liebe und die Schönheit feiernden unbekannten Gottes, stürzt den Staat in Unruhe und gewinnt Anhänger. Roger will ihm den Prozess machen, scheitert und wird selbst ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert

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