Vor Gericht

Peter Ernst Küfner liest und hört Wagners «Ring» aus der Perspektive des Juristen – mit jeder Menge Humor

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Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen Verlauf ihm ausgerechnet sein Vater, der Nachtalbe Alberich, begegnet? Die Frage ist ungeklärt, zumal wir den «Schläfer» nicht mehr fragen können.

Hagen, der böse Dämon, zählt zu den zehn Todesopfern in Richard Wagners «Ring des Nibelungen».

Um diese wie um mehr oder minder erfolgreiche Liebeskonstellationen kümmert sich nun explizit Peter Ernst Küfner in seinem Buch «Vier Ehedramen und zehn Todesfälle». Doch nicht als Dramaturg oder Musikwissenschaftler untersucht Küfner die Tetralogie: Ihn interessiert die Frage, wie die Vorgänge, Handlungen und Taten aus juristischer Perspektive zu bewerten sind. Der studierte Jurist und exquisite Wagner-Kenner kann dabei aus dem Vollen schöpfen: Während er das Buch schrieb, lagen mehrere Gesetzessammlungen auf seinem Schreibtisch, deren Sprache er aus dem Effeff beherrscht, will sagen: ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Jürgen Otten

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