Unter Prolos

Köln, Müller-Wieland: Der Held der westlichen Welt

Opernwelt - Logo

Offensichtlich macht es dem Kölner Opernchor unbändig Spaß, einmal so richtig die (Rampen-)Sau rauszulassen – und über grünen Bierkästen aus Plastik eine virtuose Summ-, Stöhn-, Würg- und Kotznummer darzubieten. In den einhundertzehn pausenlosen Minuten von Jan Müller-Wielands neuester Oper ist das ein einsamer Höhepunkt, erzkomisch in jeder Hinsicht und musikalisch wunderbar ironisch auf den Punkt gebracht. Vor allem aber auch so prägnant, weil man nicht nach dem Sinn zu fragen braucht. Was man ansonsten permanent muss.


Was hat Müller-Wieland dazu verleitet, aus John Millington Synges dialog- und personenreichem, halb realistischem, halb fantastischem, hundert Jahre altem, etwas verschrobenem Stück «The Playboy of the Western World» eine Oper zu machen? Sein selbst verfasstes, das Drama geschickt nach der Übersetzung von Heinrich und Annemarie Böll verdichtendes Libretto weist zwar den Weg zur Parabel. Aber ein Gleichnis worüber? Über einen Jungen, der ­erwachsen wird – indem er vergeblich versucht, den Vater umzubringen, und damit prahlt? Über schräge ­Typen in einer westirischen Kneipe? Gar über den Oedipus-Komplex?
Das Missverständnis beginnt schon mit der Besetzung des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zweifelhafter Gewinn

In Verdis 1862 für St. Petersburg komponierter Oper «La forza del destino» macht das Schicksal Überstunden. Gleich zu Beginn löst sich aus der Pistole des Mes­tizen Alvaro unbeabsichtigt ein Schuss und trifft den Marchese di Calatrava tödlich. Dem Fluch des Sterbenden fallen – nach einer Kette von absurden Fügungen des Schicksals – im Schlussbild nacheinander sein...

Frohsinn zum Abschied

Als Schwanengesang nicht nur der sechzehnjährigen General­intendanz Joseph Volpes an der Metropolitan Opera, sondern auch der Regiekarriere Otto Schenks kommt dem neuen «Don Pasquale» in gewissem Sinne historischer Stellenwert zu. Natürlich wundert es niemanden, wenn das Ganze durch und durch konventionell ausfällt. Dass die Herren Volpe und Schenk niemals...

Barock-Musical

Barockmusik am Hessischen Staatstheater: Das ist auch nach Rameaus «Platée» und der szenisch umgesetzten Bach’schen «Johannes-Passion» in den vergangenen Spielzeiten etwas Besonderes im goldprunkenden Neo-Rokoko. Ist in diesem Jahr um Ostern herum seine «Markus-Passion» oft zu hören gewesen, so spielen die Opern von Reinhard Keiser heute kaum noch eine Rolle. Mit...