Unter heiterem Himmel

Antonio Vivaldis Serenata «La Senne festeggiante» mit Diego Fasolis, dem Orchestre de l’Opéra Royal und vorzüglichen Solisten

Das Cover ist imposant.

Von einem glutvollen Sonnenstrahl erleuchtet, der sich wie ein göttlicher Schein aufs phallische Zepter legt, schaut «La Seine» – in Gestalt jener mächtigen Statue, die der Bildhauer Étienne Le Hongre anno 1690 schuf – grimmig-nachdenklich auf ein unsichtbares Etwas in der Ferne; erst auf der Rückseite des Booklets wird erkennbar, dass die allegorische Figur auf einer bronzenen Unterlage an der nördlichen Bassin- und Gartenfassade des Versailler Schlosses Platz genommen hat, leicht beschürzt, mit wilder Haarpracht und wallendem Barte, an seiner Seite Schilf und Weinbeeren sowie, zu seinen Füßen, ein hingebungsvoll zu ihm blickender, ebenfalls in Bronze gegossener Putto. Zum Feiern scheint diesem Giganten kaum zumute zu sein.

Und doch ist «La Seine» Teil einer Art Zeremonie: Mit seiner, sehr wahrscheinlich 1725 entstandenen Serenata «La Senna festeggiante» (Die feiernde Seine) auf einen Text von Domenico Lalli huldigte Antonio Vivaldi der Thronbesteigung Louis XV., vermutlich im Auftrag des französischen Botschafters in Venedig, Jacques-Vincent Languet, der sich zwei Jahre zuvor in einem Palazzo auf den Fondamente Nove mit Blick auf die nahegelegene Lagune ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Spielpläne 8/22

DEUTSCHLAND

Annaberg-Buchholz Winterstein-Theater 
Tel. 03733/140 71 31 service@winterstein-theater.de www.winterstein-theater.de 
- Hild, Neues vom Räuber Hotzenplotz: 9., 14., 17., 22., 28. (Natürbühne Greifensteine)
- Lippa, The Addams Family: 12., 20., 26. (Natürbühne Greifensteine) - Zeller, Der Vogelhändler: 18. (Naturbühne Greifensteine)

Bayreuth Richard...

Maigesänge

Es schwinden jedes Kummers Falten, / solang des Liedes Zauber walten»: Auch Friedrich Schiller muss in Stammbuchstimmung gewesen sein, als ihm dieser Reim einfiel. Ob sich sein jüngerer Zeitgenosse Ludwig van Beethoven davon bezaubern ließ, wissen wir nicht. Wohl aber, dass sich Beethovens Lied-Œuvre von nicht ganz einhundert Kunstliedern und ebenso vielen...

Dunkles zu singen

Was Matthias Goernes neueste CD (aufgenommen bereits 2018) aus der Vielzahl jüngster Liedveröffentlichungen heraushebt, ist das Klavierspiel Daniil Trifonovs. Goerne hat schon immer die Partnerschaft auf Augenhöhe mit Starpianisten gesucht. Aber kaum je zuvor war das Ergebnis so überwältigend wie jetzt mit Trifonov, der einfach alles kann. Sein unvergleichlicher...