Flügel in der Nacht

Marine Chagnon singt, begleitet von Joséphine Ambroselli, schwedische Lieder

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Es ist das Licht. Anders ist es. Heller. Eindringlicher. Freundlicher. Und: strahlender. Wer nur einmal im hohen Norden Europas, sei es in Finnland, Schweden oder Norwegen (wenn nicht gar auf Island, diesem archaischen Zauberreich von Shakespeares Gnaden), eine Mittsommernacht erlebt hat, der weiß, was damit gemeint ist. Dieses Licht leuchtet durch das Dunkel hindurch. Es erhellt die Seele. Es spendet größeren Trost.

 

Das geht einem schon nach wenigen Minuten auch so, wenn man das Album «Ljus» mit Marine Chagnon und Joséphine Ambroselli in den CD-Player legt – was man am besten abends tun sollte, wenn der Lärm der Welt verklungen ist, bei einem Glas Wein, im Halbdunkel. Die französische Mezzosopranistin und ihre Landsfrau am Flügel interpretieren darauf knapp zwei Dutzend Lieder schwedischer Tonsetzer vorwiegend aus der Zeit zwischen Spätromantik und Moderne, was in kompositorischer Hinsicht bedeutet: Die Romantik überwiegt, die Moderne sucht noch nach ihrer Bestimmung. Was den Wert der einzelnen Stücke aber nicht mindert. 

Nehmen wir gleich das erste Lied, «Till en ros» von Tor Aulin. Ein lieblicher, blühender Ton waltet hier, der von Schwermut unterlegt ist, aber nicht dominiert ...

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Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Olga Myschkina

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