Unter Glas
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine überraschende Stilwidrigkeit: ein Steinway-Flügel in üblicher Stimmung für 17 Lieder und Arien von Purcell, Händel und Fux.
Mit dem vorzüglichen Pianisten Michal Biel hatte der polnische Countertenor beim Album «Farewells» mit selten aufgeführten Kunstliedern seiner Heimat aus dem 19. und 20. Jahrhundert erfolgreich zusammengearbeitet, Biels delikate, farbenfreudige Klang -gestaltung hatte aufhorchen lassen – so auch hier. Da ist es angemessen, dass die Zugabe allein Biel zufällt: Die Kitschgefahr von Myra Hess ʼduftiger Bearbeitung von «Jesus bleibet meine Freude» aus Bachs Kantate BWV 147 bannt er mit Transparenz und flüssigem Tempo. Genau dieses Werk erscheint wie ein Schlüssel zu Orlińskis Ansatz. Hier geht es um musikalische Wahrheit, nicht historische Korrektheit. Um ein kommunikatives Angebot – natürlich fehlen die ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 42
von Götz Thieme
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