Unter Druck
Das kann sich nur ein Opernhaus mit einem richtig guten Chor leisten: die Sänger in Parkett und Rängen unters Publikum zu mischen, ohne dass homogener Sound und differenzierte Musikalität verloren gehen. Auf William Spauldings exzellente Truppe an der Deutschen Oper ist da Verlass. Die Chöre in Verdis «Aida», von der Saalmitte aus gehört – in Benedikt von Peters Neuinszenierung werden sie zu einer überwältigenden Erfahrung.
Den Zuschauer macht von Peter dabei zum stummen Mitglied des Ägyptervolks und Teil der Zange, die sich um die Hauptfiguren schließt.
Von der Bühne her drängt das Orchester unter Andrea Battistoni, vorn äugen Publikum und Chor, so dass Radames, Amneris und Aida auf dem überbauten Graben praktisch umzingelt sind. Hier kollidieren private Sehnsüchte und äußere Erwartungen. Unter Druck gesetzt wird vor allem einer: Radames, der in einer zermürbenden Beziehung zu Amneris feststeckt. Sie sieht sich selbst schon als First Lady und hält ihm stullenschmierend den Rücken frei für die Karriere (resolut: Anna Smirnova). Leider fantasiert er – Alfred Kim gibt den Antihelden mit Pulli und Brille – über seinen Atlanten nicht bloß von Feldzügen, sondern auch von der exotischen ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff
Im Vorwort zum Libretto von «Le nozze di Figaro» bemerkt Lorenzo da Ponte, sein und Mozarts Ziel sei, «eine fast neue Art des Schauspiels» zu schaffen. Aus diesem Vorsatz scheint auch Stefan Herheim seine Inszenierung für die Hamburger Staatsoper entwickelt zu haben. Bühnenbildner Christoph Hetzer staffiert dafür Decke und Wände mit 1500 Faksimile-Seiten der Oper...
Schon in den ersten Tönen der Eingangsarie aus dem Oratorium «La resurrezione» entzünden die Mitglieder des Ensembles Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini ein Feuer. Und in keiner Nummer dieses Albums, das sich Werken des jungen Händels widmet, lässt die Hitze nach. Julia Lezhneva lässt sich von der Glut des Orchesters erfassen, facht sie...
Nichts, was meinem Schubert ähnlich sieht», beschwerte sich der Dichter Hoffmann von Fallersleben, als er dem Komponisten in einem Grinzinger Heurigenlokal begegnete und dieser scheu und wortkarg geblieben war. Vielleicht hatte Schubert gerade einen «grantigen» Tag – auch Genies sind davor nicht gefeit. Auf jeden Fall reagierte Hoffmann in seiner Enttäuschung nicht...
