Wirbelnde Umschlingung
Schon in den ersten Tönen der Eingangsarie aus dem Oratorium «La resurrezione» entzünden die Mitglieder des Ensembles Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini ein Feuer. Und in keiner Nummer dieses Albums, das sich Werken des jungen Händels widmet, lässt die Hitze nach. Julia Lezhneva lässt sich von der Glut des Orchesters erfassen, facht sie selbst noch an durch ihren furiosen Gesang. Auch in rasend schnellem Tempo singt sie die Koloraturen präzise, jeder Ton sitzt, nicht die geringste Anstrengung ist zu hören. Lezhnevas Stimme wird selbst zum Instrument.
Melodische Konturen zeichnet sie dicht wie eine Violine. Stets beseelt der menschliche Atem den Klang.
Sängerin und Orchester sind Ausdrucksextremisten. Gegenstück zur aberwitzig virtuosen Eröffnung ist das Finale, die Schlussszene aus «Il trionfo del tempo e del disinganno». Bellezzas Arie «Tu del ciel ministro eletto» klingt wie weltenthoben. Die Tonart E-Dur ist am äußeren Rand des zur Händel-Zeit gebräuchlichen Spektrums angesiedelt, Streicher und Oboen tupfen Akkorde: Musik am Rande des Nichts. Eine Solovioline erhebt sich, bevor Bellezza über sanft getupftem Untergrund Melodiebögen von inniger ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Thomas Seedorf
La Scala
Am 7. Dezember, dem Namenstag des Stadtpatrons Sant’Ambrogio, eröffnet die Mailänder Scala traditionsgemäß ihre neue Saison. Diesmal wird mit der französischen Nationalheiligen gefeiert –«Giovanna d’Arco», im Klanggewand Verdis. Riccardo Chailly, der neue Musikdirektor, dirigiert.
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Er musste manchen Rückschlag einstecken, kann aber auch...
Eine Märchenoper über zwei Kinder, die es allein in der Fremde mit dem Bösen aufnehmen? Na klar: Humperdincks «Hänsel und Gretel»! Aber inzwischen gibt es auch zahlreiche Versionen der «Schneekönigin». Von Esther Hilsberg oder Daan Manneke, von Sergej Banewitsch oder Pierangelo Valtinoni zum Beispiel. Marius Felix Lange arbeitet derzeit an einem neuen Stück, das...
Zwei Grundfragen machen in Drama, Musik, Roman und Film zu schaffen: wie anfangen, wie enden? Wobei Komponisten nicht selten der Beginn leichter fällt als der Schluss, das Fragmentproblem sich als Sonderfall erweist. Bei Wagner gar gehen Lösung und Erlösung Hand in Hand, die Schwierigkeiten sind komplementär. So ist es kein Zufall, dass er gerade an den ersten...
