Strichmännchen, Strichfräulein
Im Vorwort zum Libretto von «Le nozze di Figaro» bemerkt Lorenzo da Ponte, sein und Mozarts Ziel sei, «eine fast neue Art des Schauspiels» zu schaffen. Aus diesem Vorsatz scheint auch Stefan Herheim seine Inszenierung für die Hamburger Staatsoper entwickelt zu haben. Bühnenbildner Christoph Hetzer staffiert dafür Decke und Wände mit 1500 Faksimile-Seiten der Oper aus. In der zum Raum gewordenen Partitur lassen sich die Figuren, die ihrerseits in mit Noten bedruckten Kleidern (Kostüme: Gesine Völlm) stecken, durch die erotischen Intrigen scheuchen.
Schon während der Ouvertüre beginnt die Jagd. Auf einer Videowand werden von unsichtbarer Hand Blätter gewendet, bis einzelne Noten ins Stolpern geraten. Ein Strichmännchen nimmt Gestalt an, saust hinter einem Strichfräulein her und lugt ihr unter den Rock. Und alsbald verwandeln sich die Köpfe, Hälse und Fähnchen der Noten in Spermien und setzen Strichfräulein nach. Man weiß: Eins wird wohl durchkommen.
Von der Begeisterung über die von der Firma fettFilm animierte Hatz zehrt das Hamburger Publikum den ganzen Abend – und genießt ihn mit schier kindlicher Freude. Im Zentrum der Bühne steht nun ein Bett. Nicht einfach ein Bett. Sondern ein ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Kesting
Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....
Nichts, was meinem Schubert ähnlich sieht», beschwerte sich der Dichter Hoffmann von Fallersleben, als er dem Komponisten in einem Grinzinger Heurigenlokal begegnete und dieser scheu und wortkarg geblieben war. Vielleicht hatte Schubert gerade einen «grantigen» Tag – auch Genies sind davor nicht gefeit. Auf jeden Fall reagierte Hoffmann in seiner Enttäuschung nicht...
Tomaso Albinoni? Kennt man natürlich. Eine Nummer des «dilettante Veneto» gehört in jede ordentliche Barock-Compilation (und sei’s das berühmte Adagio in g-Moll, das Albinoni-Biograf Remo Giazotto in den 1950er-Jahren nachkomponierte), an Aufnahmen seiner concerti a cinque herrscht kein Mangel.
Aber die Vokalmusik? Da dünnt die Diskografie dramatisch aus. Ein paar...
