Mein Schubert?
Nichts, was meinem Schubert ähnlich sieht», beschwerte sich der Dichter Hoffmann von Fallersleben, als er dem Komponisten in einem Grinzinger Heurigenlokal begegnete und dieser scheu und wortkarg geblieben war. Vielleicht hatte Schubert gerade einen «grantigen» Tag – auch Genies sind davor nicht gefeit. Auf jeden Fall reagierte Hoffmann in seiner Enttäuschung nicht anders als viele, die nicht nur Person und Werk ineins setzen, sondern zugleich Œuvre und Künstler emotional für sich in Beschlag nehmen.
Mein Schubert also? Christian Gerhaher hat sich dieser Haltung in einem Gespräch ganz entschieden widersetzt: «Auf der Bühne wie auf dem Podium sollte klar sein, dass es da eine Distanz gibt; dass der Darsteller nicht selbst der Charakter ist, den er verkörpert. Es gibt auch einen notwendigen Unterschied zwischen Rühren und Berühren. Das Erstere ist undifferenziert sentimental, das zweite bewusst gesetzte Emotion ...» In diesem Sinne scheinen sowohl Markus Schäfers Interpretation der «Schönen Müllerin» wie auch, auf andere Weise, jene der «Winterreise» durch Stephan Genz Gerhahers Forderung zu entsprechen.
Schäfer nähert sich der «Müllerin» über die Kompositionen von Ludwig Berger ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
Während der Ouvertüre zu Wagners «Fliegendem Holländer» erregt zunächst – da wir ziemlich nahe am Orchestergraben sitzen – einer der Kontrabassisten der Musiciens du Louvre unsere Aufmerksamkeit. Der Mann gibt offenbar sein Leben für die Dämonen dieser Musik, lässt den Bogen mit enormem Körpereinsatz über die Saiten tanzen. Spannend. Oben auf der Bühne erscheint...
Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus...
ARD-ALPHA
3.1. – 11.00 Uhr
Die Tonangeber.
Beobachtungen beim 64. Internationalen ARD-Musikwettbewerb.
6.1. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Dvorák: Aus der Neuen Welt. Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
6.1. – 20.15 Uhr
Händel: Messiah.
B'Rock – Belgian Baroque Orchestra Ghent, Chor des Bayerischen Rundfunks, Peter Dijkstra. Solisten: Julia Doyle, Lawrence...
