Mein Schubert?
Nichts, was meinem Schubert ähnlich sieht», beschwerte sich der Dichter Hoffmann von Fallersleben, als er dem Komponisten in einem Grinzinger Heurigenlokal begegnete und dieser scheu und wortkarg geblieben war. Vielleicht hatte Schubert gerade einen «grantigen» Tag – auch Genies sind davor nicht gefeit. Auf jeden Fall reagierte Hoffmann in seiner Enttäuschung nicht anders als viele, die nicht nur Person und Werk ineins setzen, sondern zugleich Œuvre und Künstler emotional für sich in Beschlag nehmen.
Mein Schubert also? Christian Gerhaher hat sich dieser Haltung in einem Gespräch ganz entschieden widersetzt: «Auf der Bühne wie auf dem Podium sollte klar sein, dass es da eine Distanz gibt; dass der Darsteller nicht selbst der Charakter ist, den er verkörpert. Es gibt auch einen notwendigen Unterschied zwischen Rühren und Berühren. Das Erstere ist undifferenziert sentimental, das zweite bewusst gesetzte Emotion ...» In diesem Sinne scheinen sowohl Markus Schäfers Interpretation der «Schönen Müllerin» wie auch, auf andere Weise, jene der «Winterreise» durch Stephan Genz Gerhahers Forderung zu entsprechen.
Schäfer nähert sich der «Müllerin» über die Kompositionen von Ludwig Berger ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
Im November war ich mit der Schule in der Oper und habe mir «Schneewittchen und die 77 Zwerge» angeschaut. Da sind manche Sachen anders als in dem bekannten Märchen: Es gibt nicht 7, sondern 77 Zwerge, die vom Kinderchor der Komischen Oper gespielt werden. Sie haben Kapuzenpullover mit Zipfeln an, einige können sogar auf Händen laufen oder ein Rad schlagen....
Das Wort «Nationalkolorit» klingt hübsch, fast niedlich. Es muss erfunden worden sein von Menschen guten Willens, die das Nationale für eine äußere Farbe auf universellen Formen hielten. Sie glaubten, als hermeneutische Optimisten, an einen Hintergrund massiver Übereinstimmung, der einen Vordergrund massiver Buntheit zulässt. Doch die Zensoren von Zar Alexander II....
Das kann sich nur ein Opernhaus mit einem richtig guten Chor leisten: die Sänger in Parkett und Rängen unters Publikum zu mischen, ohne dass homogener Sound und differenzierte Musikalität verloren gehen. Auf William Spauldings exzellente Truppe an der Deutschen Oper ist da Verlass. Die Chöre in Verdis «Aida», von der Saalmitte aus gehört – in Benedikt von Peters...
