Unter der Narrenkappe
Politik – dies ist die Überzeugung von Regisseur David Hermann – verdirbt nicht nur den Charakter, sondern führt zwangsläufig zu psychischen Defekten. Dazu lässt Hermann im Programmheft den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa zitieren, der in seinem «Buch der Unruhe» schreibt, im heutigen Leben gehöre die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den Betriebsamen: «Das Recht zu leben erwirbt man sich fast durch die gleichen Verfahren, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht».
Für die deutsche Erstaufführung der französischen Fassung von Donizettis letztem Bühnenwerk, der 1843 uraufgeführten Grand Opéra «Dom Sébastien», ließ Hermann sich von Christof Hetzer einen riesigen Kasten auf die Szene setzen, dessen schwarze Wände gleichermaßen Assoziationen mit einem ausweglosen Kerker wie einer überdimensionalen Gummizelle wachrufen. Hier situiert der Regisseur den (vom Librettisten Eugène Scribe gegen die geschichtliche Wirklichkeit verbogenen) Untergang des portugiesischen Königs Sébastien, der 1578 beim Versuch der Eroberung Marokkos mitsamt seinem Heer den Tod fand. Hineinverwoben in dieses Menetekel menschlicher Hybris hat Scribe nach bewährtem Muster eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Immer wieder gewährt die Nationaloper Helsinki in dieser Spielzeit ihren Besuchern einen Blick auf die Seele Finnlands, so wie sie sich in Werken einheimischer Komponisten während der letzten 150 Jahre spiegelte. Hierzu gehört auch Leevi Madetojas erste Oper «Pohjalaisia» (Die Ostbottnier), die 1924 in Helsinki mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Das Opus empfand...
Joseph Haydn schien mit seinen Lebens- und Schaffensumständen nach außen hin stets d’accord; ein «Homo politicus» war er wohl nie. Hanns Eisler umso mehr; im Gespräch mit Hans Bunge tadelte er denn auch das «zurückgebliebene gesellschaftliche Verhalten» mancher Musiktitanen. «Selbst bei dem größten Musiker der Menschheitsgeschichte, bei Mozart, ist noch das Klirren...
In Schauspiel und Film kommen die Heroen der Kompositionsgeschichte prima an, besonders wenn sie von Heroen verkörpert werden. Richard Burton als monomanischer Richard Wagner; Peter Ustinov als verzottelter Beethoven; Martin Held und Ernst Schröder als Bach und Händel, fiktiv sich treffend und verbal sich duellierend: Das alles hat die großen Meister posthum wenig...
