Viel falscher Pelz

Würzburg Wagner: Tannhäuser

Opernwelt - Logo

Bei der Wahl seiner Gastsänger hatte das Würzburger Theater eine glückliche Hand. Der aus Irland stammende Paul McNamara lieferte ein überzeugendes Rollendebüt als Tannhäuser. Zu Recht gefeiert wurden bei der Premiere auch Heiko Trinsinger als ein Wolfram mit Gesangskultur und Durchschlagskraft, Stephan Klemm als souveräner Landgraf (er hat hörbar an Volumen und Tiefe hinzugewonnen) sowie Karen Leiber, deren Venus nicht nur stimmlich sinnlich ist. Unter den vielen Gästen macht Ensemblemitglied Anja Eichhorn leider keine besonders gute Figur.

Ihre vokal achtbare Elisabeth wirkt darstellerisch wie eine «Fledermaus»-Adele. Kostümbildner Götz Lanzelot Fischer hat sie mit weißen Roben und viel falschem Pelz aufgebrezelt – als ob das noch so kritisch wirken würde wie vor über zwanzig Jahren in Bayreuth.
Natürlich muss man fragen, inwieweit die operettenhaften Kostüme auch von Regisseur und Intendant Hermann Schneider gewollt waren. Hat er übersehen, dass er damit ausgerechnet seiner weiblichen Spitzenkraft alle Glaubwürdigkeit nimmt? Zwar lebt diese Elisabeth in einer kalt gewordenen Welt, aber gerade das müsste sie zu einem innigen und starken Gegenbild von Venus machen, in deren Reich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Monika Beer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schönster Verzweiflungsgesang

Klaus Bachler lud, wen wundert’s, zum Auftakt seiner Münchner Intendanz gleich drei Sprechtheater-Regisseure ein, sich an der Oper zu versuchen. Einmal ging das gut (beim «Wozzeck» von Andreas Kriegenburg), einmal gründlich daneben (Christian Stückls knallbunte Sicht auf Pfitzners «Palestrina»). Jetzt durfte die Schweizerin Barbara Frey Janáceks «Jenufa» in Szene...

Das Klirren der Teetassen

Joseph Haydn schien mit seinen Lebens- und Schaffensumständen nach außen hin stets d’accord; ein «Homo politicus» war er wohl nie. Hanns Eisler umso mehr; im Gespräch mit Hans Bunge tadelte er denn auch das «zurückgebliebene gesellschaftliche Verhalten» mancher Musiktitanen. «Selbst bei dem größten Musiker der Menschheitsgeschichte, bei Mozart, ist noch das Klirren...

Apropos ... Radames: Salvatore Licitra

Herr Licitra, den Radames singen Sie allein in diesem Jahr 26-mal. Wird Verdi da nicht irgendwann zur Routine?
Selbst wenn ich mich drei Stunden in der Garderobe einsinge, ist es jedes Mal wieder etwas völlig anderes, sobald ich auf die Bühne muss. Die Gegenwart von zweitausend Menschen ändert die psychologische Situation total. Außerdem ist Radames einfach eine...