Das Klirren der Teetassen

Großer Haydn-Parcours in Eisenstadt und eine Hanns-Eisler-Schau im Jüdischen Museum Wien

Opernwelt - Logo

Joseph Haydn schien mit seinen Lebens- und Schaffensumständen nach außen hin stets d’accord; ein «Homo politicus» war er wohl nie. Hanns Eisler umso mehr; im Gespräch mit Hans Bunge tadelte er denn auch das «zurückgebliebene gesellschaftliche Verhalten» mancher Musiktitanen. «Selbst bei dem größten Musiker der Menschheitsgeschichte, bei Mozart, ist noch das Klirren der Teetassen und der Teller beim Menü der Adeligen mitkomponiert, von Haydn gar nicht zu reden...

» Dass solche Haltungen aus früheren Zeiten von den Musikern heute kritiklos übernommen würden, erzeuge «eine ganz merkwürdige Art vonIdiotie und Dummheit in der Musik». Solche Attacken, aus einer Haltung geboren, die jedes Verharren von Musik im ästhetischen Überbau verdammte, scheinen heute politisch einäugig – und doch im Zusammenhang mit Auswüchsen diverser Jubelveranstaltungen so falsch wieder nicht. Manche Entgleisung anlässlich des Mozart-Jahrs ist noch in frischer Erinnerung.
Zwar bietet man nun in Eisenstadt auch einen Haydn-Likör an (der im Geschmack ein wenig an Baileys erinnert). Doch halten sich Exzesse der erwähnten Art bei Joseph Haydn, der nie auf eine so fatal triviale Weise populär war wie Mozart, in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Derb und subtil

Vor Kurzem bewegte sich Dirk Bach noch zwischen Kakerlaken und Känguruhoden. Dass der Kölner Comedian mit der barocken Figur und dem Hang zum trashigen Humor viel mehr kann, als das RTL-Dschungelcamp mit allerlei Hüten und Zoten zu dekorieren, zeigte das langjährige Ensemblemitglied des Kölner Schaupielhauses am Berner Stadttheater in Brittens «A Midsummer Night’s...

Keine Chance für Gefühle

Unter den Reformopern Glucks dürfte die 1777 uraufgeführte «Armide» derzeit den höchsten Aktualitätswert besitzen: Wenn die Titelheldin erkennen muss, dass wahre Liebe in einer einzig durch Konsum und Konvention bestehenden Gesellschaft keine Chance hat, passt das auf die durchsexualisierte Welt des 21. Jahrhunderts. Und wenn Armide am Ende von ihrem Rinaldo...

Fremd im eigenen Land

Heute wissen wir, dass uns der Atem geraubt worden ist – und zusammen mit dem Atem das Vertrauen, dass bessere Tage der Zivilisation kommen könnten.» Mit Trauer und Wut holt Salvatore Sciarrino im Partitur-Vorwort zu seiner neuen Oper «La porta della legge» gegen das System Berlusconi und seinen kulturellen Kahlschlag aus. «Wenn ihr eines schönen Tages entdeckt,...