Unter Beschuss
«Nicht mal ein Rapper aus der Bronx ist so zeitgenössisch wie Verdi», sagt Davide Livermore. Ein steiler, ein plakativer Vergleich, der am gesunden Urteilsvermögen des italienischen Regisseurs zweifeln ließe, wüsste man nicht, dass er sein Metier beherrscht. Das Konzept seiner aktuellen High-Tech-Inszenierung von Verdis neunter Oper «Attila» lässt an ein aus dem Jahr 1973 stammendes Diktum des britischen Verdi-Kenners Julian Budden denken: «Ezio verkörpert die hässlichsten Aspekte des Widerstandskrieges.
»
Schon während des Prologs steigt grauer Rauch über monumentalen Trümmerbergen in den düsteren Bühnenhimmel, derweil die Hunnen Rom im Sturm einnehmen und Zivilisten willkürlich erschießen lassen. Am Ende hat sich das Blatt gewendet: Zum Finale fesseln Odabella, Foresto und Ezio den Hunnenkönig an einen Stuhl und traktieren ihn mit Stichwaffen, bevor sie ihm den Todesstoß versetzen. Livermore und sein Produktionsteam unterfüttern nicht nur diese Folterszene mit Zitaten aus einschlägigen Kinofilmen unterschiedlichster Qualität. Weitere provokante Assoziationen, die sich bereits vor der Premiere herumgesprochen hatten, fielen im letzten Moment der Schere zum Opfer. War es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Carlo Vitali
Zu einer Zeit, als auch für das Lied orchestrale Heerscharen aufgeboten wurden, stimmte Hugo Wolf mit dem «Italienischen Liederbuch» einen Lobgesang auf den Zauber des Alltäglichen an – gleich die erste Nummer kündigt das programmatisch an: «Auch kleine Dinge können uns entzücken». Anfang 2018 waren Wolfs 46 Miniaturen europaweit einem Arena-Ambiente ausgesetzt:...
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt. Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König...
Sie war eine der großen Diven des 20. Jahrhunderts, auf der Opernbühne wie im Film, doch in Deutschland, wo ihre Weltkarriere begann, scheint der Nachruhm verblasst: Jarmila Novotná (1907-1994), Schülerin der nicht weniger bedeutenden Emmy Destinn. Im hohen Alter schrieb sie ihre Lebenserinnerungen auf; kürzlich erschienen diese in englischer Übersetzung und...
