Unter Beschuss
«Nicht mal ein Rapper aus der Bronx ist so zeitgenössisch wie Verdi», sagt Davide Livermore. Ein steiler, ein plakativer Vergleich, der am gesunden Urteilsvermögen des italienischen Regisseurs zweifeln ließe, wüsste man nicht, dass er sein Metier beherrscht. Das Konzept seiner aktuellen High-Tech-Inszenierung von Verdis neunter Oper «Attila» lässt an ein aus dem Jahr 1973 stammendes Diktum des britischen Verdi-Kenners Julian Budden denken: «Ezio verkörpert die hässlichsten Aspekte des Widerstandskrieges.
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Schon während des Prologs steigt grauer Rauch über monumentalen Trümmerbergen in den düsteren Bühnenhimmel, derweil die Hunnen Rom im Sturm einnehmen und Zivilisten willkürlich erschießen lassen. Am Ende hat sich das Blatt gewendet: Zum Finale fesseln Odabella, Foresto und Ezio den Hunnenkönig an einen Stuhl und traktieren ihn mit Stichwaffen, bevor sie ihm den Todesstoß versetzen. Livermore und sein Produktionsteam unterfüttern nicht nur diese Folterszene mit Zitaten aus einschlägigen Kinofilmen unterschiedlichster Qualität. Weitere provokante Assoziationen, die sich bereits vor der Premiere herumgesprochen hatten, fielen im letzten Moment der Schere zum Opfer. War es ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Carlo Vitali
Frau Fassbaender, Frau Mallwitz, der verstorbene Kulturmanager und Intendant Gerard Mortier hat einmal die Forderung formuliert, Oper müsse ein Ort sein, der gegen die materialistische Gesellschaft vorgeht. Stimmen Sie dem zu? Oder ist Oper einfach nur ein Ort, der stimuliert, sinnliche Erfahrungen produziert, also vor allem kulinarische Bedürfnisse bedient?
B...
Mitte Dezember, ein Samstagmorgen auf dem Hauptplatz in Biel. Markant das in die Häuserzeile eingebaute Stadttheater, davor herrscht Wochenmarkt. Bunt ist das Angebot, es wird gelacht und geplaudert – man kennt sich eben. Vielleicht wird auch über die Opernpremiere von gestern gesprochen, einen Abend mit zwei Einaktern aus dem späteren 20. Jahrhundert. Vor der...
Ganz schnell kann so etwas gehen, innerhalb einer Woche. Einmal «La Bohème», einmal «La sonnambula», eine Rossini-Farce, das Neujahrskonzert, und Termin für Termin, salamitaktisch, wird die Erinnerung an Gustav Kuhns musikalisches Wirken gelöscht. Verantwortlich dafür: Paolo Carignani, Friedrich Haider, Oksana Lyniv und Patrick Hahn. Und eine Übergangsregierung...
