Schumann und die Folgen
Die Texte aus Heines «Lyrischem Intermezzo» haben nicht nur Robert Schumann zu außerordentlichen Liedkompositionen inspiriert. Das gilt nicht zuletzt für die 16 Nummern seines berühmtesten Zyklus, der «Dichterliebe».
Und einzelne Alternativfassungen weckten durchaus das Interesse hochmögender Interpreten: So nahm Dietrich Fischer-Dieskau (mit Michael Ponti am Flügel) eine Seminararbeit des jungen Charles Ives auf: «Ich grolle nicht»; Brigitte Fassbaender spielte (mit Cord Garben) Carl Loewes Version von «Ich hab’ im Traume geweinet» ein; Jonas Kaufmann trägt in seinen Recitals mit Helmut Deutsch auch mal Liszts Fassung von «Im Rhein, im schönen Strome» vor. Man könnte weitere Beispiele anführen. Aber nie war es bislang möglich, die «Dichterliebe» komplett in Vertonungen anderer Komponisten nachzuvollziehen.
Diese Lücke haben nun der junge Bariton Samuel Hasselhorn und sein deutsch-russischer Klavierpartner Boris Kusnezow geschlossen. Sie konfrontieren das Liederwerk aus dem Jahr 1840, eine Ikone der musikalischen Romantik, mit kaum bekannten Nachschöpfungen. Eine davon stammt von dem Hallenser Chorleiter und Schumann-Freund Robert Franz, der mit gleich vier, sich eng an das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 16
von Albrecht Thiemann
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt. Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König...
Darf man einen Buchtitel mit «Huch!» beginnen, diesem fast ausgestorbenen Füllsel aus dem Redeschwallrepertoire mitteilungsseliger Damen und neckischer Herren? Aber ja! Selbst wenn nicht der Autor, sondern der Verlag dieses «Huch!» aus den Texttiefen der Autobiografie auf den himmelblauen Buchdeckel gehievt hat: Es trifft recht gut eine Haltung, die einmal den...
Zwei Tage noch bis zum heiligen Fest, und was macht der Himmel über Chemnitz? Er weint: dickkugelige Tränen. Kein Wunder, dass die Trottoirs verwaist sind; nur einige Versprengte eilen mit glühweingeröteten Wangen vorüber. Auch auf dem Theaterplatz ist jetzt, um zehn Uhr abends, keiner mehr, mit dem man man reden könnte. Ringsherum nur dickes Gemäuer, wie in...
