Unser tägliches Brot

Die Meinungen darüber, ob Kultur systemrelevantes Lebensmittel sei oder nur eine schöne Form der Freizeitunterhaltung, gehen zwischen Kunst und Politik auseinander. Ein Aufruf zur Besonnenheit in Zeiten der Pandemie aus theologischer Perspektive

Kultur ist, im Wortsinne, Lebensmittel.» Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier formulierte diesen Satz – als Videobotschaft – bei passendem Anlass: vor dem offiziellen Festkonzert zum 250. Tauftag Ludwig van Beethovens am 17. Dezember 2020 im Bonner Opernhaus. Auch dieses Konzert in der Geburtsstadt des Meisters fand ohne Publikum statt: «Dafür aber mit umso größerem Publikum im ganzen Land, auf der ganzen Welt, zu Hause an den Bildschirmen oder am Radio», versuchte das Staatsoberhaupt zu trösten.

Er hatte dabei ein «größeres Publikum» sowie eine Ökumene («diesen Kuss der ganzen Welt») im Blick, die nicht nur durch die Last einer Pandemie, sondern auch durch das (potenziell) gemeinsame Hörerlebnis – Beethoven – verbunden ist. Das Kulturerlebnis als das vereinend Positive in pandemischer Lage!

Kultur als «Lebensmittel»: Dieser Begriff legt zumindest in der deutschen Sprache nahe, dass Kultur etwas (Über-)Lebensnotwendiges, ein Grundbedürfnis ist. Kultur als basic need. Es festzustellen, besagt noch nicht, ob diese der Kultur so zugeschriebene elementare Bedeutung primär für die Kulturschaffenden gilt und in gleicher Weise für die Rezipienten oder ob sie gar «systemrelevant» für ...

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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 18
von Kalr Waldeck

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