Ungewisse Zukunft

Die New Yorker Met durchlebt die größte Krise in ihrer ruhmreichen Geschichte. Und doch plant Intendant Peter Gelb unverdrossen für die kommenden Spielzeiten. Ein ästhetischer Neubeginn ist nicht zu erwarten, immerhin hat das Haus inzwischen einen weib­lichen «Chief Diversity Officer». Ein Report

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Lang, lang ist’s her. Genauer gesagt: mehr als ein Jahr. Am 11. März 2020 hob sich in der Metropolitan Opera zu New York letztmals der Vorhang – zu einer Aufführung von Mozarts «Così fan tutte», exzellent dirigiert von Harry Bicket und unter anderem mit einem fantastischen Ben Bliss als Ferrando. Es folgte das Unvermeidliche.

Intendant Peter Gelb musste aufgrund der Covid-Krise die gesamte Saison 2020/21 absagen: ein Novum in der ruhmreichen, 138-jährigen Geschichte des Hauses; lediglich zwei Spielzeiten – 1969/70 und 1980/81 – waren zuvor aufgrund dringend nötiger Sanierungsarbeiten verkürzt worden. Viele Mitarbeiter der Met nahmen zwangsweise (und unbezahlten) Urlaub, lediglich der Krankenversicherungsschutz bestand auch weiterhin. Der gesamte Chor und das komplette Orchester wurden beurlaubt, was (bis dato noch nicht abgeschlossene) Tarifverhandlungen sowie heftige, in der Presse und in den sozialen Medien ausgetragene Debatten nach sich zog.

Die Situation ist ernst: New Yorks astronomische Mieten und die extrem hohen Kosten für Privatschulen haben inzwischen rund ein Drittel der Musiker gezwungen, die Stadt zu verlassen, mit einer ungewissen Zukunft für sich selbst und das ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von David Shengold

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