Heldenleben
Das Buch kommt zu spät, die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens sind passé, das Tafelsilber liegt längst wieder im Schrank. Aber kommt ein Buch jemals zu spät, wenn es lesenswert ist? Wenn es sich des Themas Beethoven in einer erfrischend anderen Weise annimmt? Wenn es Perspektiven nicht auf das Œuvre des behandelten Komponisten, sondern auf seine Ikonografie eröffnet? Kurz: Wenn es uns einen geschärften Blick vor allem auf den posthumen Ruhm dieses Komponisten ermöglicht? All diese Fragen sind nach Lektüre von Alessandra Cominis Band «Beethoven.
Zur Geburt eines Mythos» mit einem deutlichen Nein zu beantworten. Die US-amerikanische Kunsthistorikerin untersucht das «Phänomen» Beethoven insbesondere in Bezug auf die Wirkung, die seine Werke und, mehr noch, ihr Schöpfer selbst, auf die Nachwelt ausübten. Damit offenbart Comini, wie eine Mythopoese funktioniert, so sie einmal gesetzten Impulsen folgt. Und wie ein Mythos sich festsetzen kann im kulturellen Gedächtnis. «Nicht die Übereinstimmung mit den historischen Tatsachen lässt einen Mythos groß werden», so die Ausgangsthese der Autorin, «sondern seine Fähigkeit, aus historischen Fakten eine allgemeingültige ...
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Opernwelt April 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 43
von Jürgen Otten
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