Heldenleben
Das Buch kommt zu spät, die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens sind passé, das Tafelsilber liegt längst wieder im Schrank. Aber kommt ein Buch jemals zu spät, wenn es lesenswert ist? Wenn es sich des Themas Beethoven in einer erfrischend anderen Weise annimmt? Wenn es Perspektiven nicht auf das Œuvre des behandelten Komponisten, sondern auf seine Ikonografie eröffnet? Kurz: Wenn es uns einen geschärften Blick vor allem auf den posthumen Ruhm dieses Komponisten ermöglicht? All diese Fragen sind nach Lektüre von Alessandra Cominis Band «Beethoven.
Zur Geburt eines Mythos» mit einem deutlichen Nein zu beantworten. Die US-amerikanische Kunsthistorikerin untersucht das «Phänomen» Beethoven insbesondere in Bezug auf die Wirkung, die seine Werke und, mehr noch, ihr Schöpfer selbst, auf die Nachwelt ausübten. Damit offenbart Comini, wie eine Mythopoese funktioniert, so sie einmal gesetzten Impulsen folgt. Und wie ein Mythos sich festsetzen kann im kulturellen Gedächtnis. «Nicht die Übereinstimmung mit den historischen Tatsachen lässt einen Mythos groß werden», so die Ausgangsthese der Autorin, «sondern seine Fähigkeit, aus historischen Fakten eine allgemeingültige ...
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Opernwelt April 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 43
von Jürgen Otten
Wer im vergangenen Jahr die Salzburger Festspiele besuchte, fühlte sich – und fühlt sich in der Erinnerung noch heute – in die Stimmung des Wunderbaren versetzt. Apoll und die neun Musen schienen mehr als 100 Veranstaltungen unter ihren besonderen Schutz gestellt zu haben, so dass sich am Ende unter den 76.500 höchst irdischen Besuchern niemand mit dem Corona-Virus...
Später als andere Musikbühnen und Balletttruppen befasst sich die Opéra national de Paris mit dem Problemkomplex «Ethnische Vielfalt». Spät, aber gründlich: Auf Wunsch seines Anfang September angetretenen neuen Intendanten Alexander Neef hat das größte Opernhaus der Welt einen «Rapport sur la diversité» in Auftrag gegeben. Der 66-seitige Bericht wurde Anfang...
Wer zu den Stammgästen der Bayreuther Festspiele zählt, ist in der Regel nicht schnell zu beeindrucken, wenn ihm jemand Richard Wagner erklärt. Es muss demnach ein Hochbegabter am Werk gewesen sein angesichts der Tatsache, dass über viele Jahre für die Einführungsmatineen eines Pianisten nicht leichter Karten zu bekommen waren als für die Opernvorstellungen selbst....
