Unerschöpflich neugierig

Zum Tod des Wagner-Erklärers, Pianisten und Musikwissenschaftlers Stefan Mickisch

Wer zu den Stammgästen der Bayreuther Festspiele zählt, ist in der Regel nicht schnell zu beeindrucken, wenn ihm jemand Richard Wagner erklärt. Es muss demnach ein Hochbegabter am Werk gewesen sein angesichts der Tatsache, dass über viele Jahre für die Einführungsmatineen eines Pianisten nicht leichter Karten zu bekommen waren als für die Opernvorstellungen selbst.

Stefan Mickisch, in eigener Darstellung «Klaviervirtuose, Wagnerexperte und Musikwissenschaftler», hat zwischen 1994 und 2019 allein in Wagners Festspielstadt über 500 Auftritte absolviert und dabei das verkopft-trocken anmutende Format des Gesprächskonzerts zur mitreißenden Kunstform erhoben. Dabei verband er allerhöchste Ansprüche an die eigene Virtuosität und Intelligenz, an die philosophische Einordnung und erzmusikalische Durchdringung der Werke sowie an Herz und Hirn des Publikums mit einer ureigenen Spontaneität. Diese besondere Begabung bescherte ihm Einladungen in alle Musikzentren der Welt, sogar aus Dubai und Neu-Delhi gab es Anfragen. Immer mit im Gepäck hatte Mickisch seinen breiten Oberpfälzer Zungenschlag, unverkennbar auch in den Vorträgen auf Englisch und den Sprachaufnahmen auf Japanisch. Eine besondere ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Stephan Knies

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