Ungefähre Welt
Es sind glockenhelle, luzide Töne, die Jana Baumeister bei ihrem Rollendebüt als Mélisande in den Bühnenhimmel schickt, mit lyrischer Leuchtkraft und makellos reinem Timbre. Doch bei aller Transparenz – ins Seeleninnerste der Figur lässt dieser irisierend schöne Gesang ganz bewusst nicht blicken. Was Mélisande denkt und fühlt, bleibt im Dunkeln, wie ein gut gehütetes Geheimnis. Die Titelheldin in Debussys «Pelléas et Mélisande» zählt zu den rätselhaftesten Figuren des Opernrepertoires. «Ne me touchez pas – berührt mich nicht», lauten ihre ersten gesungenen Worte.
Wer ist diese fragile, verführerische Kindfrau mit dem rapunzellangen, blonden Haar, die einsam und verloren im Wald umherirrt, bis Golaud sie entdeckt und auf das väterliche Schloss mitnimmt? Woher stammt sie? Was ist ihr widerfahren? Eindeutige Antworten darauf gibt es nicht. Vielmehr führt jeder Annäherungsversuch an die Figur ins Vage. Ihr werde kalt, antwortet Mélisande etwa auf Golauds Frage, wie alt sie sei. Doch nicht allein die Titelfigur, auch die gesamte, auf dem Libretto des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck basierende Oper lässt sich nur schwer (be)greifen. Das vielschichtige Werk, das zwischen ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Silvia Adler
Verräterische Klarinette! In Tschaikowskys «Eugen Onegin» fasst sie unausgesprochene, wo nicht gar unbewusste Gefühle in murmelnde, plaudernde, allzu offenherzige Töne. Als Onegin in der Schlussnummer des ersten Akts dieser Lyrischen Szenen Tatjanas soeben per Brief empfangenen Liebesantrag in einer Arie zurückweist, die die Form eines langen – manche sagen:...
Kurz nach der Premiere wurde sein Vertrag bis 2031 verlängert. Salzburg braucht Rolando Villazón wie die Mozartkugel – finden jedenfalls die Verantwortlichen in der Stiftung Mozarteum. Seit 2021 ist der Tenor Künstlerischer Leiter der Institution und schon seit 2019 Chef der Mozartwoche. Das Publikum liegt Villazón zu Füßen, der auf seine Weise durch die Termine an...
Die Stücke könnten unterschiedlicher nicht sein. Für «Francesca da Rimini», 1906 am Bolschoi uraufgeführt, schrieb Rachmaninow eine düstere, spätromantische Musik. Puccini hingegen fasste seinen 1918 an der Met uraufgeführten «Gianni Schicchi» in einen quirligen, lebendigen Deklamationsstil mit einigen lyrischen Elementen. Die stilistische Distanz ist so groß wie...
