Ungefähre Welt
Es sind glockenhelle, luzide Töne, die Jana Baumeister bei ihrem Rollendebüt als Mélisande in den Bühnenhimmel schickt, mit lyrischer Leuchtkraft und makellos reinem Timbre. Doch bei aller Transparenz – ins Seeleninnerste der Figur lässt dieser irisierend schöne Gesang ganz bewusst nicht blicken. Was Mélisande denkt und fühlt, bleibt im Dunkeln, wie ein gut gehütetes Geheimnis. Die Titelheldin in Debussys «Pelléas et Mélisande» zählt zu den rätselhaftesten Figuren des Opernrepertoires. «Ne me touchez pas – berührt mich nicht», lauten ihre ersten gesungenen Worte.
Wer ist diese fragile, verführerische Kindfrau mit dem rapunzellangen, blonden Haar, die einsam und verloren im Wald umherirrt, bis Golaud sie entdeckt und auf das väterliche Schloss mitnimmt? Woher stammt sie? Was ist ihr widerfahren? Eindeutige Antworten darauf gibt es nicht. Vielmehr führt jeder Annäherungsversuch an die Figur ins Vage. Ihr werde kalt, antwortet Mélisande etwa auf Golauds Frage, wie alt sie sei. Doch nicht allein die Titelfigur, auch die gesamte, auf dem Libretto des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck basierende Oper lässt sich nur schwer (be)greifen. Das vielschichtige Werk, das zwischen ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Silvia Adler
Es gab einfachere Zeiten, um in Deutschland neue Opernhäuser zu bauen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa, als die Reparations-Milliarden nach dem deutsch-französischen Krieg die Wirtschaft des jungen Kaiserreichs in Schwung brachten; als sich neben dem Adel ein starkes, immer finanzkräftiger werdendes Bürgertum herausbildete, das nun seinerseits auf...
Er war der Mann hinter den Fernsehbildern und als solcher nie zu sehen. Und wer liest am Ende einer Opern- oder Konzertübertragung schon den gesamten Abspann, wo dann irgendwann auch der Mann für die Bildregie erwähnt wird? Sehr oft, bei größeren Ereignissen fast immer, war das der Engländer Brian Large. Mehr als 800 Konzertund Opernaufnahmen gestaltete Large als...
Oper oder Oratorium? Das ist hier, da ein biblischer Hintergrund fehlt, nicht die Frage. Bei dem Werk, das am 19. Februar 1736 vor illustrem Publikum im Covent Garden Theatre zu London aus der Taufe gehoben wurde, handelt es sich entschieden um eine Ode. Schon die Vorlage, John Drydens «Alexander’s Feast; or the Power of Musick», war, wenngleich nur in barock...
