Gebrochene Herzen

Musikalisch ist Tschaikowskys «Eugen Onegin» im Pariser Palais Garnier ein Ereignis, szenisch aber doch etwas zu altmodisch. Wagners «Siegfried» an der Bastille-Oper gerät hingegen in vielerlei Hinsicht enttäuschend

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Verräterische Klarinette! In Tschaikowskys «Eugen Onegin» fasst sie unausgesprochene, wo nicht gar unbewusste Gefühle in murmelnde, plaudernde, allzu offenherzige Töne. Als Onegin in der Schlussnummer des ersten Akts dieser Lyrischen Szenen Tatjanas soeben per Brief empfangenen Liebesantrag in einer Arie zurückweist, die die Form eines langen – manche sagen: langfädigen – Räsonnements annimmt, verweist er zunächst auf die «seit langem in mir erloschenen Gefühle», die das Geständnis der «unschuldigen Liebe» des Backfischs in ihm wiedererweckt habe.

Wir verstehen: Onegin, zu diesem Zeitpunkt um die 24 Jahre alt, hat vor Jahren einmal geliebt – vermutlich unglücklich, wie es sich für einen Petersburger Childe Harold geziemt. Dudelnde Klarinettentriolen begleiten da des Titelhelden Worte «seit langem in mir erloschene Gefühle», wie etwas später auch den Halbsatz «… wie sehr auch immer ich Sie lieben mag» – den der Hypothesenmacher freilich bloß in den Raum wirft, um ihn sogleich zu verneinen: Selbst wenn er Tatjana jemals lieben sollte, würde die Gewohnheit ihm dieses Gefühl früher oder später austreiben. Und noch ein drittes Mal produziert die Klarinette in dieser Arie gluckernd ...

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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Marc Zitzmann

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