Gebrochene Herzen
Verräterische Klarinette! In Tschaikowskys «Eugen Onegin» fasst sie unausgesprochene, wo nicht gar unbewusste Gefühle in murmelnde, plaudernde, allzu offenherzige Töne. Als Onegin in der Schlussnummer des ersten Akts dieser Lyrischen Szenen Tatjanas soeben per Brief empfangenen Liebesantrag in einer Arie zurückweist, die die Form eines langen – manche sagen: langfädigen – Räsonnements annimmt, verweist er zunächst auf die «seit langem in mir erloschenen Gefühle», die das Geständnis der «unschuldigen Liebe» des Backfischs in ihm wiedererweckt habe.
Wir verstehen: Onegin, zu diesem Zeitpunkt um die 24 Jahre alt, hat vor Jahren einmal geliebt – vermutlich unglücklich, wie es sich für einen Petersburger Childe Harold geziemt. Dudelnde Klarinettentriolen begleiten da des Titelhelden Worte «seit langem in mir erloschene Gefühle», wie etwas später auch den Halbsatz «… wie sehr auch immer ich Sie lieben mag» – den der Hypothesenmacher freilich bloß in den Raum wirft, um ihn sogleich zu verneinen: Selbst wenn er Tatjana jemals lieben sollte, würde die Gewohnheit ihm dieses Gefühl früher oder später austreiben. Und noch ein drittes Mal produziert die Klarinette in dieser Arie gluckernd ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Marc Zitzmann
Es gab einfachere Zeiten, um in Deutschland neue Opernhäuser zu bauen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa, als die Reparations-Milliarden nach dem deutsch-französischen Krieg die Wirtschaft des jungen Kaiserreichs in Schwung brachten; als sich neben dem Adel ein starkes, immer finanzkräftiger werdendes Bürgertum herausbildete, das nun seinerseits auf...
Mit einem Zitat aus Shakespeares «King Lear» kündigt die Stimme aus dem Off eine Sonnenfinsternis an: «Jene letzten Verfinsterungen an Sonne und Mond verheißen nichts gutes […] Freundschaft erkaltet, Liebe fällt ab.» Kurz und nicht ganz so schön: Das Ende naht. Dabei ist es immer eine gute Nachricht, wenn ein Theater eine zeitgenössische Oper ins Programm nimmt....
Lange her, dass man in Franco Zeffirellis Verfilmung von Verdis «Traviata» nicht nur hörte, sondern sah, dass Violetta Valérys trauriges Ende in keinem Moment dieser Oper abzuwenden sein wird. Viele Inszenierungen greifen das zu Recht auf und bebildern schon die Ouvertüre entsprechend. Doch keineswegs immer so eindrucksvoll und originell, wie es nun am Stadttheater...
