Göttliche Komödie
Die Stücke könnten unterschiedlicher nicht sein. Für «Francesca da Rimini», 1906 am Bolschoi uraufgeführt, schrieb Rachmaninow eine düstere, spätromantische Musik. Puccini hingegen fasste seinen 1918 an der Met uraufgeführten «Gianni Schicchi» in einen quirligen, lebendigen Deklamationsstil mit einigen lyrischen Elementen. Die stilistische Distanz ist so groß wie zwischen Strauss und Strawinsky. Oder Alexander von Zemlinsky und Kurt Weill. Ein Zeichen dafür, welche Vielfalt zu Beginn des 20. Jahrhundert auf den Bühnen üblich war.
Beide Stücke gehen auf Szenen aus Dantes «Göttlicher Komödie» zurück, bei «Gianni Schicchi» ist es nur eine Fußnote, auf die die Titelfigur am Ende zu sprechen kommt, wenn er um mildernde Umstände bittet, anstatt wie bei Dante in die Hölle zu kommen. Bei «Francesca da Rimini» ist der Bezug zur Vorlage direkt. Dante und Vergil treten selbst auf und schreiten in die Hölle, wo sie auf das Liebespaar treffen, das dort ausharren muss, weil es die Todsünde der Wollust begangen hat. Mehr Gemeinsamkeit lässt sich zwischen beiden Werken beim besten Willen nicht herstellen, auch wenn die Dramaturgie des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier behauptet, auch ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Richard Lorber
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