Unerbittlich präzise
Zur ohnehin spannungsgeladenen Handlung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» tritt eine reale Ungewissheit hinzu: Riccardo Chailly musste die zweite Vorstellung nach einem plötzlichen Unwohlsein abbrechen. Die dritte Aufführung jedoch leitet er wieder, und das so packend, dass die musikalische Seite den eigentlichen Kern dieser Saisoneröffnung an der Scala bildet. Es ist das letzte Werk, das Chailly als Mailands Musikdirektor verantwortet.
Unter den zehn Eröffnungsproduktionen, die er in dieser Funktion verantwortet hat, erweist sich «Lady Macbeth» als die künstlerisch überzeugendste. Chailly dirigiert die Musik mit analytischer Schärfe und ausgeprägtem dramaturgischen Instinkt. Seine Interpretation vermeidet plakative Effekte und vertraut auf die innere Logik von Schostakowitschs Partitur. Brutale Motorik, grell zugespitzter Sarkasmus und eruptive Klangballungen stehen gleichwertig neben Momenten von beinahe entblößtem Lyrismus. Das Orchester agiert dabei auf einem Niveau, das es fraglos in die internationale Spitzenklasse der Klangkörper einreiht: Streicher von beeindruckender Dichte und Elastizität, Blechbläser mit schneidender Präzision und überwältigender Präsenz – ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Stefano Nardelli
Was Wahnsinn sei, was Genialität, ist strittig – und materiell, mit Hirnströmen etwa, so wenig zu messen wie zu erklären. Dass vokale und darstellerische Genialität bei der musiktheatralischen Vorführung des Wahnsinns hingegen vorteilhaft ist, haben Sängerinnen wie Anna Moffo, Renata Scotto, Beverly Sills, Montserrat Caballé, vor allem aber Joan Sutherland und...
Die Welt, zumindest die in Wien, war aus den Fugen, nach dem weithin hörbaren Börsenkrach 1873, der ein ganzes «Reich», das k. und k. habsburgische, samt seiner Erblande und der vielvölkerstaatlichen Nachbarschaft in eine tiefe Sinnkrise stürzte, nicht nur in ökonomischer Hinsicht. Diagnostiziert wurde eine heftige, entmutigende Depression, ein veritables...
Lauscht man allein den einzelnen Da- capo-Arien der einzigen Oper dieser Komponistin im Nebenberuf, staunt man über die handwerkliche Kunstfertigkeit, das kundige Abrufen der Affekttypen, die gelehrte Erfüllung der Form: Wilhelmine von Preußen (oder auch: Wilhelmine von Bayreuth) erweist sich anno 1740 auf der Höhe Händels. Zwischen den Zeilen aber und dennoch...
