Unendlich vordergründig

Freiburg | Puccini: Manon Lescaut, Calderón/Santos: Das große Welttheater

Opernwelt - Logo

Nicht Amiens – Paris – Le Havre – Amerika. In Freiburg begibt Puccinis Oper «Manon Lescaut» sich in Innere der Titelheldin. Ihre Gestalter(innen) sprechen denn auch von inneren Ortswechseln, von ihren «Seelenzuständen». Und solange Yona Kims Inszenierung diese fest im Blick behält, hat auch Manons von der Liebe kaum gebremste Jagd nach Luxus, haben auch ihre Reue und ihr finales Elend starke, eindringliche Momente. Sie werden durch den zentralen Einfall der Bühnenbildnerin Evi Wiedemann noch gefördert.

Über dem Spielrechteck eine Schwadron von Lampenkugeln und Kristalllüstern, die, heruntergefahren, Manons Niedergang begleiten und am bitteren Ende das Ambiente einer Müllkippe suggerieren – der sterbende Mensch als Kehricht, als Opfer der allgegenwärtigen, gesichtslosen (Chor-)Gesellschaft und ihrer Kälte unbrauchbar geworden, der einstige Liebhaber, der immerhin mit Manon nach Amerika floh, desinteressiert, die Hände in den Hosentaschen.

An der Glaubhaftigkeit gerade dieses Details schien das heftig aufbuhende Premierenpublikun gleichwohl zu zweifeln. Wie wohl auch wenige nachvollziehen können, was Manon an ihrem – im Original ältlichen – Galan Geronte vermisst. Dem kernigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Naturbegabung und Kunstverstand

Als Octavian, als Cherubino, als Komponist in «Ariadne» war sie nahezu unschlagbar, auch in ihren Sopranpartien hatte sie wenig Konkurrenz zu fürchten: Sena Jurinac, eine der großen Sängerpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Privat allerdings hat sie, trotz ihrer Welterfolge, nie viel Wesens um sich gemacht. Einfach, bescheiden und...

Elegie der Vergeblichkeit

Wer je einen Marthaler-Abend zu ordnen, zu verstehen, zu erspüren versuchte, weiß es: Es gibt die aktive Marthaler-Familie, die oben auf der Bühne, von Christophs Geist beseelt, in unendlicher Geduld, von good vibrations beflügelt, nach der einen und richtigen Lösung sucht. Und es gibt die passiven Familienmitglieder, die im Parkett jedem Schritt die Nähe zur...

Spontaneität und Wärme

Eines ihrer persönlichsten Projekte der letzten Jahre war 2002 die CD «Ninna Nanna»: achtzehn Wiegenlieder aus zwölf Ländern, in denen sich ihr warmer, sparsam vibrierender Sopran mit jener Menschlichkeit, jenem Engagement für Menschen verband, das ihr Markenzeichen war.

Montserrat Figueras stammte aus einem musikalischen Elternhaus. 1942 wurde sie in Barcelona...