Und fast ein Mädchen wars

An der Nederlandse Opera Amsterdam wird Manfred Trojahns «Eurydice – Die Liebenden, blind» uraufgeführt

Hören Sie – die Stille – kann man sie hören?» Eine Rhetorik der permanenten zweifelnden Zurücknahme oder halben Dementierung prägt das vom Komponisten stammende Libretto, sein zweites nach seinem ebenfalls an der Nederlandse Opera uraufgeführten «Orest». «Ich habe ihn geliebt – liebte ich ihn?» Vagheit, von der schon Berlioz im Hinblick auf eine neue Ästhetik der Instrumentalmusik gesagt hat, dass sie eine ungleich höhere Ausdrucksmacht besitze als klar konturierte Positivität, ist das Signum des Werks.

Nach dem schroffen, scharfkantigen «Orest» präsentiert es sich als ein lyrisches Drama der Schwebe im Horizont von Debussys «Pelléas»: Ein piano-, ja, pianissimo-Stück der feinsten Texturen, realisiert durch ein groß besetztes Orchester mit seinen zitternden Holzbläser-Staccati, seinen triolen-, quintolen- und septolengesättigten ondulierenden Streichern (noch nie habe er so viele Wechselnoten geschrieben, bekennt Manfred Trojahn) und seinen kurz aufblitzenden, meist sordinierten Blechbläsersignalen. Vage bleiben auch die Didaskalien zu den einzelnen Episoden («Der Eine ist Pluton. Er könnte ein Schaffner sein ...»), und vage ist vor allem das Dénouement, denn unklar bleibt, ob ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Klaus Heinrich Kohrs

Weitere Beiträge
Freiheit lieben

Fantastische Pianisten und glühende Patrioten waren sie beide. Damit aber enden im Wesentlichen die Gemeinsamkeiten zwischen zwei der schillerndsten polnischen Musiker-Persönlichkeiten des 19. (respektive 20.) Jahrhunderts. Während Fré-déric Chopin jenem Instrument treu blieb, mit dem er auch noch flammendste humanistische Botschaften in die Welt zu senden...

Verwüstung ist kein Gedankenspiel

Natürlich ist es verrückt, beklemmend und auch bizarr, wenn man jetzt in eine Musiktheateraufführung geht, in der die Welt in Trümmern liegt, die Oper kaputt ist und seltsam seelenlose Wesen die Szenerie beherrschen. Wäre Ole Hübners Oper «opera, opera, opera! revenants and revolutions» wie geplant vor zwei Jahren bei der Münchner Musiktheater-Biennale 2020...

Editorial 5/22

Am 11. März 2022 hatte Ernst Kreneks Oper «Jonny spielt auf» ihre Premiere am Münchner Gärtnerplatztheater. Intendant Köpplinger betrat die Bühne, verkündete Spenden und Solidarität mit der Ukraine. Starker, warmer Applaus. Dann begann die Vorstellung. Bevor Jonny so richtig loslegen darf, malen zwei Maskenbildnerinnen-Darstellerinnen ihn auf der Bühne in der Mitte...