Und fast ein Mädchen wars

An der Nederlandse Opera Amsterdam wird Manfred Trojahns «Eurydice – Die Liebenden, blind» uraufgeführt

Opernwelt - Logo

Hören Sie – die Stille – kann man sie hören?» Eine Rhetorik der permanenten zweifelnden Zurücknahme oder halben Dementierung prägt das vom Komponisten stammende Libretto, sein zweites nach seinem ebenfalls an der Nederlandse Opera uraufgeführten «Orest». «Ich habe ihn geliebt – liebte ich ihn?» Vagheit, von der schon Berlioz im Hinblick auf eine neue Ästhetik der Instrumentalmusik gesagt hat, dass sie eine ungleich höhere Ausdrucksmacht besitze als klar konturierte Positivität, ist das Signum des Werks.

Nach dem schroffen, scharfkantigen «Orest» präsentiert es sich als ein lyrisches Drama der Schwebe im Horizont von Debussys «Pelléas»: Ein piano-, ja, pianissimo-Stück der feinsten Texturen, realisiert durch ein groß besetztes Orchester mit seinen zitternden Holzbläser-Staccati, seinen triolen-, quintolen- und septolengesättigten ondulierenden Streichern (noch nie habe er so viele Wechselnoten geschrieben, bekennt Manfred Trojahn) und seinen kurz aufblitzenden, meist sordinierten Blechbläsersignalen. Vage bleiben auch die Didaskalien zu den einzelnen Episoden («Der Eine ist Pluton. Er könnte ein Schaffner sein ...»), und vage ist vor allem das Dénouement, denn unklar bleibt, ob ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Klaus Heinrich Kohrs

Weitere Beiträge
MAKE LOVE, NOT WAR

Händels Oper «Alcina» gehört zu den Werken, deren Handlung aus einem Wust aus Namen, Verlobungen und Verkleidungen besteht. Das Beste, was einem solchen Stück passieren kann, ist eine Regie, die dieses Gewirr so auf die Bühne bringt, dass man als Zuschauerin dem Geschehen mühelos folgen kann. So geschehen am Theater Stralsund. 

Auf die nur sprichwörtlich «einsame...

HERBE STRICHE

Nur einmal in der Geschichte der Met, 1979 war das, wurde Verdis «Don Carlos» bislang mit dem dramaturgisch so ungemein wertvollen Fontainebleau-Akt gegeben. Insofern war es eine gute Entscheidung des Hauses, als Grundlage für die aktuelle Produktion auf die fünfaktige französischsprachige Erstfassung zurückzugreifen – allerdings (und dies nicht eben zum Vorteil...

Was in der Fantasie geschieht

Herr Huber, Sie sind der erste Liedbegleiter, mit dem die «Opernwelt» ein ausführliches Interview führt. Fühlt man sich vom Journalismus manchmal vernachlässigt in Ihrem Beruf? 
Diese Frage wird mir fast bei jedem Interview gestellt. 

Nervt sie Sie? 
Nein, gar nicht. Ich glaube nur, dass man schon vor ungefähr 20 Jahren davon abgekommen ist, dass der Begleiter etwa...