Und der Haifisch hat kaum Zähne

Ambitioniert: Brecht/Weills «Dreigroschenoper» in Gelsenkirchen und Bonn

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Bertolt Brecht hielt nicht besonders viel von der Oper – für ihn war sie ein «wirklichkeitsfremdes» Vergnügen für dicke Bäuche samt Uhrkette und ihre aufgetakelten Gattinnen. Gleichwohl beließ er es nicht bei seiner Kritik an der «völligen Verblödung» der Gattung, sondern erkannte in dieser erzbürgerlichen Kunstform auch das Trojanische Pferd, um seine Kapitalismuskritik in die großen Kulturtempel zu schieben. Mit dem «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» landeten Brecht und Kurt Weill schließlich den angepeilten Skandal in der sterbenden Weimarer Republik.

Im Vergleich zu diesem sperrigen Meisterwerk ist die «Dreigroschenoper» gar keine Oper im landläufigen Sinn, sondern ein experimenteller Zwitter aus Schauspiel, Politrevue, Songspiel und Genreparodie – eine Art niederschwellige Garagenoper, die es bis zum Verbot durch die Nazis auf fabelhafte 10.000 Aufführungen europaweit gebracht hat. Der Clou dieses Megaerfolgs war, dass der Systemkritiker Brecht glänzend daran verdiente: Kaltschnäuzig hatte er sich zwei Drittel der Tantiemen ausbedungen, während für Weill und die Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann (sie lieferte immerhin den Löwenanteil des Textes) nur ein vergleichsweise ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Michael Struck-Schloen

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