Surreal real
Oper? Tanztheater? Tragödie? Oder gar Comedy? Franck Chartier würde vermutlich nie nein sagen. Formal gesehen firmiert seine Inszenierung von Purcells «Dido and Aeneas» als Debüt in der Musiktheaterregie: für die Opernhäuser in Genf, Lille und Luxembourg. Und jetzt eben Basel. Doch das Ergebnis lässt sich erst mal schwer greifen. So wie der Sand, den es im Laufe des Abends in immer größeren Mengen auf die Bühne drückt. Von den Seiten, von oben, ganze Berge. Was uns das sagt? Vielleicht, dass die Zeit alles zudeckt. Die Liebe, das Leben, die Trauer.
Darum geht es bekanntlich in dieser Oper von 1689, die Vergils Versepos um den in Karthago gestrandeten Trojaner Aeneas und die phönizische Königin Dido aufgreift.
Liebe und Macht stehen im Wettstreit, und Venus verliert, wieder einmal. Der im konkreten Fall recht tumbe Held muss aufbrechen, um Rom zu gründen, die Königin bleibt verzweifelt zurück. Nachdem sie ihr berühmtes Lamento «When I am laid» gesungen hat (was Marie-Claude Chappuis mit intensiver, dabei doch ganz zarter lyrischer Ausprägung gelingt), wird sie sprichwörtlich vom Sand aufgesogen: «Wenn man mich bettet, bettet mich in der Erde Schoß.» Ungewöhnlich, aber ungemein ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Alexander Dick
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