Ganz schön raffiniert
Man muss sich schon große Mühe geben, um in Don Alfonso etwas anderes zu sehen als einen verdrucksten Frauenverächter. Aber warum sollte man überhaupt? Am Theater Heidelberg lässt Magdalena Fuchsberger ihn stattdessen einmal kräftig ausspucken, obwohl James Young eine so adrette weiße Perücke trägt und feinen schwarzen Zwirn. Da schau her, so einer ist das!
Die österreichische Regisseurin redet im Marguerre-Saal also nicht drumherum.
Sie greift überdies auch kräftig ein, aber das macht sie einerseits so plausibel und mit einem so anmutigen Szenario andererseits, dass es hervorragend funktioniert. Dass sie Mozarts und Lorenzo Da Pontes «Così fan tutte» dabei aus den Angeln hebt, lässt sie sich lange gar nicht anmerken. Dabei gibt es schon ganz am Anfang einen Übergriff, unterstützt vom Dirigenten Clemens Flick: Der Ouvertüre wird nämlich die erste Szene vorangestellt. Auf weißer Bühne, die biegsam wie ein Blatt Papier hinten nach oben gezogen ist, hocken die drei Herrn am Kaffeetischchen, hecken Arges aus und schlecken ihren Mokka. Oben auf der weißen Fläche steht der Titel der Oper – in Schönschrift. Die Schleckenden und Heckenden einigen sich derweil auf die bekannte perfide ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Judith von Sternburg
Gestandene Wagnerianer werden sich über Anno Mungens neues Buch gewiss noch weit mehr erregen als 2002 über Brigitte Hamanns monumentale Monographie «Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth». Der Leiter des zur Universität Bayreuth gehörigen Thurnauer Forschungsinstituts für Musiktheater geht in der Spurensuche zum Zusammenhang von Kultur und Politik im Dritten Reich...
Ein Fall für die Theaterwissenschaft: die Rückkehr des Pasticcios auf die Opernbühnen unserer Tage. Musiktheater nicht als musikalisch kohärentes Ereignis, sondern eben, wie der Name schon sagt, als Stückwerk, als Arrangement von Arien, Ensembleszenen, Instrumentalstücken.
In Thom Luz’ neuem Opern-Pasticcio ist es der Mythos, dem sich alles unterzuordnen hat:...
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, auch der ersten Spielzeit des neuen Weimarer Intendantentrios – Chefregisseur Valentin Schwarz, Schauspieldirektor Timon Jansen sowie der ebenfalls inszenierende Operndirektor Dorian Dreher. Jetzt kommt es darauf an, was die drei Herren daraus machen. Wollen sie zaubern? Eher nicht, möchte man meinen nach der Premiere von Lili...
