Unaufdringlich eindringlich

Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw schwärmen mit kühlem Kopf für Lieder aus dem Wiener Fin de Siècle

Opernwelt - Logo

Nach ihrer 2016 erschienenen CD mit Vokalmusik von Erik Satie und diversen diskografischen Ausflügen als Dirigentin kehrt Barbara Hannigan, wiederum begleitet von Reinbert de Leeuw, zum Liedrepertoire zurück. Zusammengestellt haben die beiden Künstler diesmal ein Programm, das mit Werken von Schönberg, Webern, Berg, Zemlinsky und Alma Mahler ins Wien des Fin de Siècle führt – an jene Schwelle zur neuen Musik, wo die «Luft von anderem Planeten», wie es in dem später von Schönberg vertonten George-Gedicht heißt, zwar schon zu ahnen ist, aber noch nicht wirklich weht.


Es sind ausnahmslos Lieder junger, noch in den Zwanzigern stehender Komponisten, die an den Grenzen der Tonalität rütteln – am entschiedensten Webern in seinem fast konstruktivistisch-durchsichtigen Satz, am wenigsten der noch ganz im Bann von Brahms stehende, gefühlvoll-konventionelle Zemlinsky, während in Bergs lyrisch-emphatischer, selbst vor Strauss’schen Aufschwüngen nicht zurückschreckender Melodiosität sich bereits der Musikdramatiker ankündigt. Für sich steht Alma Mahler, von deren wenigen Liedern man nicht so genau weiß, wer sie wirklich «komponiert» hat. Für sich steht aber auch, mit der abschließenden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Unter Wechselstrom

Er zählt zu den schillerndsten Persönlichkeiten des russischen Kulturlebens: Vladimir Kekhman, Eigentümer und Chef des Mikhailovsky Theaters in Sankt Petersburg, Intendant des Opernhauses von Nowosibirsk. Ein Geschäftsmann, der zeitweilig abtauchte, weil gegen ihn in Steuerangelegenheiten ermittelt wird. Loyaler Unterstützter des Putin-Regimes und der orthodoxen...

Wie im Rausch

Auf dem Boulevard nachts um halb eins. Eine  illuster-sinistre Männerrunde hat sich versammelt, Studenten sind’s, dem Anschein nach aus gehobenem Hause, die seidenschwarzen Paletots und eleganten Zylinder verraten aristokratische Herkunft. Ganz gegenteilig aber die Gesinnung der feinen Herren. Sie sind gekommen, um bei «Lutter & Wegner» ihre Kehlen zu kühlen und...

Verpixelt

Einfach ein «fröhliches Schauspiel» sollteProkofjews  «Die Liebe zu den drei Orangen» nach Absicht ihres Schöpfers sein. Die scharfe Lauge der Musik spricht allerdings eine andere Sprache. Allrounder Axel Ranisch hat in seiner Stuttgarter Inszenierung der absurden Meta-Oper aus Märchen und Groteske, Masken- und Zaubertheater, Commedia dell’arte und Offenbach’scher...