Musikalisch wertvoll
Es könnte alles anders kommen. Wenn sich im Prolog von Brittens «Peter Grimes» die Stimmen des Titelhelden und der Lehrerin Ellen vereinen, öffnet die Schönheit der Unisono-Melodie eine Ahnung von Frieden und Gemeinschaft, vielleicht sogar von Liebe. Engelsgleich rein klingt Ivana Ruskos Sopran, die Tenorstimme Marco Jentzschs schmiegt sich mit sicherer Höhe an. Das ist die Fallhöhe, von der die Katastrophe ihren Lauf nimmt.
Die Opern des britischen Komponisten werden seit einigen Jahren häufig gespielt.
Die packenden, oft psychologisch tiefgreifenden Libretti und die schlanke, erzählende, doch keineswegs nur dem Plot dienende Musik erfüllen die Anforderungen an ein zeitgemäßes Musiktheater. «Peter Grimes» ist die Geschichte einer hasserfüllten Dorfgemeinschaft, die einen autistischen Außenseiter mobbt. Und den Fischer Grimes beschuldigt, seine Lehrjungen zu misshandeln, sie vielleicht sogar umzubringen. Britten und sein Librettist Montagu Slater stellen sich den Verwicklungen der realen Welt, ohne schwarzweiß zu malen.
Musikalisch gelingt in Köln eine mustergültige Aufführung. Der 35-jährige Dirigent Nicholas Collon erschafft mit dem Gürzenich-Orchester eine bezwingende ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Stefan Keim
Allzu selten dient ein Opernlibretto derzeit als echte Steilvorlage für einen Regisseur. Und wenn überhaupt, dann ist es Material, das es gegenzulesen gilt. Bei Robert Wilson ist das anders. Er bedient sich einfach bei Puccinis Textdichtern Giuseppe Adami und Renato Simoni, die ihrerseits Schillers Bearbeitung der fiabe teatrali «Turandot» des Venezianers Carlo...
Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...
Ach ja, die Liebe. Eine haarige Angelegenheit, heute mehr denn je. Die allesverschlingenden Märkte haben auch diese schönste Hauptsache der Welt amalgamiert; Gefühle sind im Wesentlichen ersetzt durch Akkumulation von Kapital, welches sie, als materialistische Konstante, darstellen. Der Planet bevölkert von lauter entfremdeten Konsumaffen, deren einziges Bestreben...
