Überschätzt

Foroni: Cristina, regina di Svezia Oldenburg / Staatstheater

Jacopo Foroni gehört zu den vielen Vergessenen der Musikgeschichte. Den 1825 geborenen Italiener verschlug es nach der 1848er-Revolution nach Stockholm, wo er sich mit seiner Oper «Cristina, regina di Svezia» einführte, Hofkapellmeister wurde, aber schon 1858 an der Cholera starb. Man tut ihm keinen Gefallen, wenn man die 2007 in Göteborg erstmals wieder gespielte und jetzt in Oldenburg mit viel publizistischer Schützenhilfe als deutsche Erstaufführung gegebene «Cristina» mit Verdi vergleicht, Foroni gar zu dessen potenziellem Konkurrenten erklärt.

Foroni beherrscht sein Handwerk, vermag wirkungssicher, wenn auch melodisch nicht gerade zündend zu schreiben – überschreitet mit seiner blockhaften Dramaturgie, die ihn mit dem jungen Verdi verbindet, aber nirgends den Erwartungshorizont der Zeit.

Dabei gäbe die historische Vorlage – das geheimnisumwitterte Leben der unvermählt gebliebenen schwedischen Königin Christina, der Tochter Gustav Adolf II., die ihre Rolle als Herrscherin weder im Leben noch in der Geschichte finden kann, 1654 abdankt, nach Rom übersiedelt und dort zum Katholizismus konvertiert – durchaus Stoff für eine originelle Oper in der Nachfolge von Donizettis ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Linz verändert

Melancholie verschattet die Gesichter der beiden Knattermimen: «In Linz müsste man sein ...» Die süffisante Schluss­pointe des legendären Sketchs von 1959 mit Helmut Qualtinger und Johann Sklenka, in dem zwei Provinzschauspieler ihr Leben Revue passieren ­lassen und ihren Träumen nachhängen, ist längst zum Sprichwort geworden. Ganz im Sinne des hierzulande...

«Einen Plan B haben wir nicht»

Alejo Pérez suchte die Musik im Paradies. Hoch oben, wo die Fresko-Decke des Teatro Colón fast mit Händen zu greifen ist. Im «Paraíso», wie hier der höchste Rang heißt, stand Alejo als kleiner Junge an jedem nur möglichen Wochenende und blickte auf die Bühne. «Egal ob Oper oder Konzert – ich wollte dabeisein», erinnert sich Pérez, der jetzt zu den aufstrebenden...

Apropos... Klangrede

Auf der Opernbühne trifft man Sie selten an, Herr Boesch. Woran liegt’s?
Erstens bin ich ein begeisterter Familienvater. Mein eigener war Opernsänger – und viel zu selten zu Hause. Das war für mich keine Option.

Und zweitens?
Bin ich eine totale Mimose. Ich leide unter schlechtem Musiktheater mehr als irgendwer sonst, den ich kenne. Das heißt nicht, dass ich mit Oper...