Überladene Symbole
Venedig, Anno Domini 1716. Seit zwei Jahren ist die Republik in einen Krieg mit dem osmanischen Empire verstrickt. Nicht genug des Unheils: Die Türken halten, nachdem ihr Gegner eine Allianz mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eingegangen ist, die Insel besetzt. Doch Fortuna hat ein Einsehen mit den Christen: Im August wird der ungeliebte Feind in einer heroischen Schlacht niedergerungen, unter Führung des Grafen Johann Matthias von der Schulenburg.
Um diesen militärisch wie politisch und auch emotional enorm wichtigen Sieg zu feiern, beauftragt die Republik Venedig Antonio Vivaldi, ein Werk zu komponieren, das sich dem Anlass als würdig erweist. Der prete rosso kommt diesem Ansinnen gerne nach und schreibt das Oratorium sacrum militare «Juditha triumphans devicta Holofernes barbarie».
Vivaldis findiger Librettist Iacopo Cassetti zieht dazu eine Legende aus dem «Buch Judith» heran: frühchristliches Zeugnis aus der Septuaginta, welches später in den Apokryphen zwischen Altem und Neuem Testament zu finden ist und zwischen 1621 und 1716 mehr als 20 geistlichen Musiken als Sujet diente. Cassetti hat ein feines Gespür für die Symbolkraft des Stoffes: Die Konfrontation ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Sant’ Andrea della Valle, Palazzo Farnese, Engelsburg: Wer könnte diese ikonografischen Orte nicht sofort vor seinem inneren Auge abrufen, wenn er von «Tosca» hört? Und wie sollte, im Rom um 1800, die Handlung anders ablaufen als von Puccini und seinen Librettisten notiert? Aber ist «Tosca» ein derart «veristisches» Werk, dass es der Originalschauplätze überhaupt...
63. JAHRGANG, NR 03
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690 | Best.-Nr. 752353
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
REDAKTION
Arno Lücker, Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion@o...
JUBILARE
Jane Henschel absolvierte ihr Gesangsstudium an der University of Southern California. Erste Opernengagements führten sie 1978 nach Deutschland, sie trat in Aachen, Wuppertal, Dortmund und an der Deutschen Oper am Rhein auf. Zahlreiche Gastspiele machten die Mezzosopranistin ab Ende der 1980er-Jahre in der ganzen Welt bekannt, umjubelt etwa als Amneris,...
