Drei Sänger im Schnee
Sant’ Andrea della Valle, Palazzo Farnese, Engelsburg: Wer könnte diese ikonografischen Orte nicht sofort vor seinem inneren Auge abrufen, wenn er von «Tosca» hört? Und wie sollte, im Rom um 1800, die Handlung anders ablaufen als von Puccini und seinen Librettisten notiert? Aber ist «Tosca» ein derart «veristisches» Werk, dass es der Originalschauplätze überhaupt bedarf? Martin Kušej, hauptberuflich Direktor des Wiener Burgtheaters, sagte bei seinem neuerlichen Ausflug ins Musiktheater dezidiert: «Nein».
Also baute ihm Bühnenbildnerin Annette Murschetz etwas ganz anderes: eine milchweiß gleißende Schneelandschaft. Ein solch elementares Ereignis kommt in Rom zwar nicht oft vor (und im Text auch nicht), aber das heißt keineswegs, dass man das Libretto (und vor allem seine deutschen Übertitel) nicht auch semantisch ändern darf.
Keine Kirche also, sondern ein rustikales hölzernes Grabkreuz und ein kahler Baum (wartet da womöglich wer auf Herrn Godot?), daran hängend ein nackter Torso und abgehackte Gliedmaßen, nach denen auch mal ein echter Hund schnappt. Maler Cavaradossi hat das Motiv auf Leinwand gepinselt, aber auch ein Frauenbildnis gemalt, das später die Eifersucht seiner ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Karl Harb
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