Über den Zenit hinaus
Historiker sprechen, wenn sie die politische Geschichte Spaniens etwa zwischen 1550 und 1650 in Augenschein nehmen, meist vom Siglo de Oro, vom Goldenen Zeitalter. Und nicht nur ist damit der Machteinfluss des einst ruhmreichen (und ausdehnungsfreudigen) Landes bezeichnet, sondern vor allem eine Zeit kultureller Blüte.
Wenn Saioa Hernández ihr neues Album mit Arien von Mascagni, Puccini, Cilea, Alfano, Giordano, Catalani und Zandonai nun «Il verismo d’oro» nennt, dann schwingt da wohl auch etwas von dieser längst verblichenen Magie mit – Titel und ebenso das güldene Gewand der Künstlerin auf dem Cover lassen dies zumindest erahnen.
Aber hält die spanische Sopranistin ihr Versprechen auch? Nach den ersten beiden, weithin unbekannten Mascagni-Trouvaillen der CD – «Questo mio bianco manto» aus «Isabeau» und «Ah! Il suo nome … Flammen, perdonami» aus «Lodoletta» – muss man daran doch etwas zweifeln. Zu verwackelt ist die Intonation, zu forciert die Tongebung insbesonders in der Höhe. Erst mit der Arie «Esser madre è un inferno» der Rosa aus Francesco Cileas Musikdrama «L’Arlesiana» befreit sich Hernández aus dem Korsett des überbetonten Ausdrucks und findet zu interpretatorisch wie ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 37
von Virginie Germstein
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