Editorial Opernwelt 11/24
Das Bild ist unvergessen: Frühherbst 2005, Bundestagswahl, die berühmt-berüchtigte Elefantenrunde. Der strahlenden Siegerin Angela Merkel gegenüber sitzt jener Mann, der, vermutlich weil er seine Niederlage nicht so recht verwinden vermag, augenscheinlich schon einige Gläser Gerstensaft intus hat. Gerhard Schröder, an diesem Abend als Bundeskanzler abgewählt, lässt jegliche Souveränität vermissen; man könnte auch sagen: Er blamiert sich bis auf die Knochen. Dabei hätte er Grund genug, auf einige seiner Maßnahmen stolz zu sein.
Die vielleicht wichtigste darunter ist die Schaffung eines bis heute für die Kultur der Bundesrepublik Deutschland maßgeblichen Amtes. Seit 1999 gibt es auf erklärten Wunsch Schröders eine(n) «Beauftragte(n) der Bundesregierung für Kultur und Medien». Blickt man in die Ahnengalerie, so lässt sich feststellen: Es waren zum Teil illustre Persönlichkeiten. Der Verleger Michael Naumann beispielsweise. Oder, ihm nachfolgend, Julian Nida-Rümelin, ein philosophisch bewanderter Schöngeist, sowie die Literaturwissenschaftlerin Christina Weiss; zumal ihre vorsichtig-feinsinnige Art, die Dinge mit Esprit und sensibler Intellektualität anzugehen, ist in bester ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Nur wenige Jahre nach dem legendären Bayreuther «Ring» 1976 von Patrice Ché-reau – inklusive realistischem Wasserkraftwerk, kapitalismuskritischer Durchtriebenheit in der Personenregie sowie sängerischen Höchstleistungen (Donald McIntyre, Peter Hofmann und Gwyneth Jones)– schickte sich das Opernhaus Stuttgart an, mit drei Opern des US-amerikanischen Minimalisten...
Während die Opern Monteverdis und Händels fast schon zum Repertoire gehören, fristen die Werke ihrer französischen Gegenspieler Lully und Rameau noch immer ein Dasein als Mauerblümchen. Lullys dreizehnte und letzte, 1686 uraufgeführte Tragédie en musique «Armide», die soeben in einer glänzenden Neuaufnahme beim Label Château de Versailles Spectacles erschienen ist,...
Wie kamen Sie zur klassischen Musik?
Ich erinnere mich nicht mehr, was meine Inspiration war, ich weiß nur, dass ich als Kind zwei Dinge wollte: ein Klavier und einen Hund. Beides habe ich bekommen.
Beides? Sonst ist es doch immer so, dass Eltern sagen: entweder, oder?
Ich habe beides bekommen und bin dann 17 Jahre beim Klavier geblieben. Obwohl es ein Leidensweg...
