Editorial Opernwelt 11/24

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Das Bild ist unvergessen: Frühherbst 2005, Bundestagswahl, die berühmt-berüchtigte Elefantenrunde. Der strahlenden Siegerin Angela Merkel gegenüber sitzt jener Mann, der, vermutlich weil er seine Niederlage nicht so recht verwinden vermag, augenscheinlich schon einige Gläser Gerstensaft intus hat. Gerhard Schröder, an diesem Abend als Bundeskanzler abgewählt, lässt jegliche Souveränität vermissen; man könnte auch sagen: Er blamiert sich bis auf die Knochen. Dabei hätte er Grund genug, auf einige seiner Maßnahmen stolz zu sein.

Die vielleicht wichtigste darunter ist die Schaffung eines bis heute für die Kultur der Bundesrepublik Deutschland maßgeblichen Amtes. Seit 1999 gibt es auf erklärten Wunsch Schröders eine(n) «Beauftragte(n) der Bundesregierung für Kultur und Medien». Blickt man in die Ahnengalerie, so lässt sich feststellen: Es waren zum Teil illustre Persönlichkeiten. Der Verleger Michael Naumann beispielsweise. Oder, ihm nachfolgend, Julian Nida-Rümelin, ein philosophisch bewanderter Schöngeist, sowie die Literaturwissenschaftlerin Christina Weiss; zumal ihre vorsichtig-feinsinnige Art, die Dinge mit Esprit und sensibler Intellektualität anzugehen, ist in bester ...

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Opernwelt November 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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