Tunnelblick

Letzte Premiere der Ära Ioan Holender: Claus Guth inszeniert an der Wiener Staatsoper Wagners «Tannhäuser»

Opernwelt - Logo

’ll be back», der legendäre Ausspruch von Arnold Schwarzeneggers Terminator, war durchaus als Drohung gemeint, nicht nur im Rahmen der Story, sondern auch wegen der impliziten Ankündigung von Fortsetzungen. Die Gegner von Wiens streitbarem, stets polarisierendem und nun scheidendem Staatsoperndirektor Ioan Holender könnten Ähnliches befürchten – lautet der Titel seines neuen Buches doch «Ich bin noch nicht fertig». So geht das Gerücht, dass Holender als Nachfolger seines Nachfolgers zur Verfügung stünde, sollte es mit der neuen Direktion aus irgendwelchen Gründen nicht klappen.

Er selbst weist dies vehement von sich; er sei einer, der geht, weil er gehen wolle, «im Unterschied zu manchem meiner Vorgänger».

Der gewiefte Pragmatiker leitete das Haus länger als jeder andere, und er hat es wirtschaftlich erfolgreich auch durch schwierige Zeiten geführt. Den Ruch eines Verhinderers neuer Theaterästhetik ist er in den zwei Jahrzehnten seiner Dienstzeit freilich nie losgeworden, obwohl bei ihm beinahe alles inszenierte, was unter dem Überbegriff «Regietheater» Rang und Namen hat. Doch schienen die Ergebnisse meist merkwürdig zahm – was möglicherweise einer Lähmung gegenüber dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Im Fokus, Seite 10
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unter Wert

Als Zemlinsky zu Beginn seines amerikanischen Exils im Januar 1939 von einem Reporter der «New York Times» auf seine neueste Oper angesprochen wurde, antwortete er zögerlich: «It is ultra modern». Das 1935 bis 1938 im Particell entworfene, aber nur zu Teilen instrumentierte Werk – es hätte sein opus summum werden sollen – blieb unvollendet. Anthony Beaumont hat die...

Bauer sucht Frau

Folklore in der «Verkauften Braut»: Ja oder nein? Und wenn ja, wie viel? Und dann ist da noch die Frage nach dem Umgang mit der Komödie an sich: Smetanas Oper von 1866 stellt Regisseure offenbar vor immer größere Probleme. Im Rhein-Main-Gebiet hat zuletzt Georg Köhl in Wiesbaden eine hintergründige Emanzipationsgeschichte der Marie herausgefiltert; Stein Winge...

Der Hof tanzt mit

Das Versprochene trat zwar nicht ein – dafür gab es eine Strauss-Erfüllung ganz anderer Art. Weniger apokryph: Das «Salome»-Parlando, dessen betonte Pflege Christoph von Dohnányi in Aussicht gestellt hatte, verflüchtigte sich in Zürich bald – dazu geriet der orchestrale Part zu massiv, gingen die Forte-Wogen zu häufig hoch. Doch unter diesem Vorzeichen gelang seine...