Probebühne Paris
Ist Paris eine Musikstadt? Sicher nicht im Sinne einer Musikmetropole wie Wien, wo man überall auf die Zeichen einer in Jahrhunderten gewachsenen, weltweit ausstrahlenden Musikkultur trifft. Paris ist einfach zu groß, zu vielgestaltig in seinen Lebensfunktionen, um der Tonkunst den Vortritt einzuräumen. Gleichwohl begegnet der Musikliebhaber dort einer Fülle hochkarätiger Angebote, wie sie einer Weltstadt anstehen.
Dazu zählt auch die Oper.
Seit den Tagen von Hugues Gall und Gerard Mortier überrascht die Opéra National mit den beiden Häusern Opéra Bastille und Palais Garnier durch eine früher nicht gekannte Stetigkeit des Angebots: Mehr als vierhundert Aufführungen in Oper und Ballett pro Saison sind inzwischen die Norm. Der neue Intendant Nicolas Joël kann darauf bauen. Das städtische Théâtre du Châtelet, das einmal ein ernsthafter Konkurrent der Nationaloper war, hat sich überwiegend der musikalischen Unterhaltung zugewandt, Oper erscheint dort nur noch selten auf dem Spielplan. Dafür besinnt sich die Opéra Comique, auch Salle Favart genannt, nach dem Amüsiertaumel unter Jérôme Savary wieder auf die Gattung und Kunstform «Oper». Jérôme Deschamps heißt der neue künstlerische ...
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Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...
Die Aufführung von Monteverdis «Orfeo», die unter Paul Hindemiths Leitung am 3. Juni 1954 in Wien stattfand und deren Mitschnitt nun erstmals auf Tonträgern zugänglich ist, hatte für den damals 24-jährigen Nikolaus Harnoncourt, der im Orchester saß, «die Wirkung eines Blitzschlags». Er war schon damals dabei, ein eigenes Ensemble für Alte Musik aufzubauen (den...
Für sein erstes Opern-Recital hat Lucio Gallo Rollen gewählt, die er bereits häufig auf der Bühne gesungen hat, die Spannweite von Mozart über die Belcanto-Oper und die französische und russische Literatur bis hin zu Wagner ist folglich kein Studio-Fake, sondern entspricht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit dieses Sängers. Streng genommen besitzt er weder die...
