Tschaikowsky, spannend wie ein Thriller

Zu «Pique Dame» in Klagenfurt und dem Dauerclinch des Intendanten mit Jörg Haider

Opernwelt - Logo

Vor dem schwarzen Vorhang das Vorspiel, von Dirigent Guido Mancusi betriebsam abgewickelt: Schicksalsmotiv der alten Gräfin, galoppierende Bläsersynkopen, das zerbröckelnde Liebesthema, der Nihilismus des «Pathethique»-Schlusses. Autobiografische Züge; eine jener musikalischen Masken, die der Komponist sich aufsetzte, um zu über­leben.
Wenn der Lappen hochgeht und die Musik uns mit ans Scherzo von Tschai­kow­skys «Fünfter» erinnernder Munterkeit zurückholt ins Leben, wäre man auch nicht überrascht, etwas ganz anderes zu hören.

Beispielweise «Pardon me, boy – is this a Petersburg location?» Glenn Miller könnte hier spielen, in dieser Bar aus Chrom und Glas, die sich fürs Ballbild zum Art-Déco-Kino-Foyer wandelt (Bühne: Bernd-Dieter Müller). Dietmar Pflegerls Inszenierung faltet Puschkins und Tschaikowskys Drama über die verheerenden Folgen der Spielleidenschaft als Hollywoood-Thriller auf.
Anfangs sieht dies noch wie ein willkürlicher Zeitsprung aus – ähnlich jenem, den Andrei Serban in Wien mit «Werther» versuchte. Doch im Unterschied dazu geht Pflegerls Konzept in Klagenfurt auf, vor allem, weil der Regisseur es versteht, das Geschehen in sich stimmig und so spannend zu erzählen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2005
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Der spanischen Sopranistin Maria Bayo, die in diesem Monat die Titelpartie in Hasses «Cleofide» an der Dresdner Semperoper singt, ist das Porträt dieses Heftes gewidmet. Weil sie eine renommierte Sängerin ist, kann sie sich leisten, Dinge zu sagen, die weniger souveräne Künstler der Branche lieber für sich ­behalten. Es sind elementare Dinge, die fast jede...

«Wir sind da, um kreativ zu sein»

«Ihre gedichte sind schön, und traurig, aber die idioten, selbst leute, die so tun, als ob sie ‹verstünden›, verstehen nicht.» Diese Zeilen, noch während der Tagung der Gruppe 47 Ende Oktober/Anfang November 1952 auf Burg Berlepsch geschrieben, markieren den Beginn der Freundschaft zweier damals gerade sechsundzwanzigjähriger Künstler, der Dichterin Ingeborg...

Britten: Albert Herring

Die Konzertmuschel, die die Drehbühne füllt, grünt pistazienpastell. Die Liegestühle davor sind zahnpastamintfrisch bespannt, der Rundhorizont dämmert oliv – als ob Ang Lees grüner Superheld Hulk auf der Bühne der Komischen Oper zerplatzt wäre. Davor leuchtet es bonbonrosa, hellblau, lila, gelb, knallpink, türkis. Petticoats, Turmfrisuren, viel Klein­kariertes,...