Tschaikowsky, spannend wie ein Thriller
Vor dem schwarzen Vorhang das Vorspiel, von Dirigent Guido Mancusi betriebsam abgewickelt: Schicksalsmotiv der alten Gräfin, galoppierende Bläsersynkopen, das zerbröckelnde Liebesthema, der Nihilismus des «Pathethique»-Schlusses. Autobiografische Züge; eine jener musikalischen Masken, die der Komponist sich aufsetzte, um zu überleben.
Wenn der Lappen hochgeht und die Musik uns mit ans Scherzo von Tschaikowskys «Fünfter» erinnernder Munterkeit zurückholt ins Leben, wäre man auch nicht überrascht, etwas ganz anderes zu hören.
Beispielweise «Pardon me, boy – is this a Petersburg location?» Glenn Miller könnte hier spielen, in dieser Bar aus Chrom und Glas, die sich fürs Ballbild zum Art-Déco-Kino-Foyer wandelt (Bühne: Bernd-Dieter Müller). Dietmar Pflegerls Inszenierung faltet Puschkins und Tschaikowskys Drama über die verheerenden Folgen der Spielleidenschaft als Hollywoood-Thriller auf.
Anfangs sieht dies noch wie ein willkürlicher Zeitsprung aus – ähnlich jenem, den Andrei Serban in Wien mit «Werther» versuchte. Doch im Unterschied dazu geht Pflegerls Konzept in Klagenfurt auf, vor allem, weil der Regisseur es versteht, das Geschehen in sich stimmig und so spannend zu erzählen, ...
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