Opera distinguished

Drei neue Folgen der Reihe «Opera in English»

Opernwelt - Logo

So unterschiedlich die Aufnahmen in der kontinuierlich wachsenden Chandos-Reihe «Opera in English» auch im Einzelnen ausfallen mögen, eine Tugend haben sie alle gemeinsam: Sorgfalt. Leider ist Sorgfalt in der Oper eine Sekundärtugend und keine Garantie für das Außergewöhnliche, das plötzlich auflodernde «Alles oder Nichts», in dem alles andere unwichtig wird – letztlich sogar die Sprache, in der gesungen wird. Doch gerade dieser Funke, der manchmal im dürftigsten, ver­hus­teten Live-Mitschnitt aufglimmt, springt in den drei Neueinspie­lungen nur selten über.

Allein Nina Stemmes Senta kann tat­sächlich mit ihren Piani, mit ihren vibrierenden, elektrisierenden Spitzen­tönen, die von der Zerbrechlichkeit wie von der inneren Kraft dieser ­Figur gleicherma­ßen erzählen, einen echten Menschen vermitteln. Ihre Ballade etwa singt sie nicht, wie viele dramatischere Soprane, als saftigen Shanty, sondern steigert sich aus einer träumerischen Grundstimmung erst in Erlösungshysterie hinein. Schade, dass dieser Funke nicht auf John Tomlinson überspringt: Die be­mühte Hö­he in den exponierten Stellen etwa von «Die Frist ist um» stört bei Bayreuths aktuellem Holländer weniger als die übertriebene ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2005
Rubrik: Platten, Seite 56
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Countdown der Rache

Es hätte der Eröffnungspaukenschlag werden können für das neue Opernhaus in Kopenhagen: eine «Elektra» inszeniert von Peter Konwitschny. Man könnte kaum deutlicher internationale Ambitionen demonstrieren. Der deutsche Stargast hielt, was sein Name verspricht. Er reißt nicht nur mit sezierendem Blick eine szenische Fallhöhe vom Archaischen ins Alltägliche auf,...

Ausgekühlte Tradition

Vor der Uraufführung im Dezember 1905 halfen nur Drohungen. Richard Strauss war enttäuscht über das unzureichende Engagement der Sänger am Dresdner Königlichen Opernhaus und behielt sich vor, die erste Realisierung nach Leipzig oder Wien zu verschieben – zwei Häuser, die schon nach der «Salome» gierten. Dass derselbe Komponist später von Dresden als einem «Dorado...

Sehnsucht nach Europa

Die Stimme der Stadtführerin steigt leicht und wirkt etwas ungehalten: «Der Balkan beginnt viel weiter unten. Wir hier haben immer zu Mitteleuropa ge­hört.» Klar, die Bemerkung aus der Reisegruppe war unpassend, wenn auch nicht untypisch: Sie hatte Zagreb schlicht dem Balkan zugeschlagen. Für solche geographisch-kulturelle Ignoranz hat man in Kroatien wenig...