Opera distinguished
So unterschiedlich die Aufnahmen in der kontinuierlich wachsenden Chandos-Reihe «Opera in English» auch im Einzelnen ausfallen mögen, eine Tugend haben sie alle gemeinsam: Sorgfalt. Leider ist Sorgfalt in der Oper eine Sekundärtugend und keine Garantie für das Außergewöhnliche, das plötzlich auflodernde «Alles oder Nichts», in dem alles andere unwichtig wird – letztlich sogar die Sprache, in der gesungen wird. Doch gerade dieser Funke, der manchmal im dürftigsten, verhusteten Live-Mitschnitt aufglimmt, springt in den drei Neueinspielungen nur selten über.
Allein Nina Stemmes Senta kann tatsächlich mit ihren Piani, mit ihren vibrierenden, elektrisierenden Spitzentönen, die von der Zerbrechlichkeit wie von der inneren Kraft dieser Figur gleichermaßen erzählen, einen echten Menschen vermitteln. Ihre Ballade etwa singt sie nicht, wie viele dramatischere Soprane, als saftigen Shanty, sondern steigert sich aus einer träumerischen Grundstimmung erst in Erlösungshysterie hinein. Schade, dass dieser Funke nicht auf John Tomlinson überspringt: Die bemühte Höhe in den exponierten Stellen etwa von «Die Frist ist um» stört bei Bayreuths aktuellem Holländer weniger als die übertriebene ...
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