Opera distinguished
So unterschiedlich die Aufnahmen in der kontinuierlich wachsenden Chandos-Reihe «Opera in English» auch im Einzelnen ausfallen mögen, eine Tugend haben sie alle gemeinsam: Sorgfalt. Leider ist Sorgfalt in der Oper eine Sekundärtugend und keine Garantie für das Außergewöhnliche, das plötzlich auflodernde «Alles oder Nichts», in dem alles andere unwichtig wird – letztlich sogar die Sprache, in der gesungen wird. Doch gerade dieser Funke, der manchmal im dürftigsten, verhusteten Live-Mitschnitt aufglimmt, springt in den drei Neueinspielungen nur selten über.
Allein Nina Stemmes Senta kann tatsächlich mit ihren Piani, mit ihren vibrierenden, elektrisierenden Spitzentönen, die von der Zerbrechlichkeit wie von der inneren Kraft dieser Figur gleichermaßen erzählen, einen echten Menschen vermitteln. Ihre Ballade etwa singt sie nicht, wie viele dramatischere Soprane, als saftigen Shanty, sondern steigert sich aus einer träumerischen Grundstimmung erst in Erlösungshysterie hinein. Schade, dass dieser Funke nicht auf John Tomlinson überspringt: Die bemühte Höhe in den exponierten Stellen etwa von «Die Frist ist um» stört bei Bayreuths aktuellem Holländer weniger als die übertriebene ...
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Im Westen nichts Neues. Nach wie vor ungewiss bleibt die Zukunft des Saarbrücker Staatstheaters. Ungeachtet des massiven öffentlichen Protests besteht der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier auf der drastischen Reduktion des Theateretats um (fast) 25 Prozent (von derzeit 24,5 auf 18,5 Millionen Euro) bis 2009, die das Haus praktisch in die Knie zwingen...
Der spanischen Sopranistin Maria Bayo, die in diesem Monat die Titelpartie in Hasses «Cleofide» an der Dresdner Semperoper singt, ist das Porträt dieses Heftes gewidmet. Weil sie eine renommierte Sängerin ist, kann sie sich leisten, Dinge zu sagen, die weniger souveräne Künstler der Branche lieber für sich behalten. Es sind elementare Dinge, die fast jede...
Zeitgeschichte und reale Lebenswelt spielen im Musiktheater unserer Tage oft nur eine marginale Rolle: Krieg der Zivilisationen, Massenarbeitslosigkeit, Naturkatastrophen – von derlei Phänomenen mögen Millionen betroffen sein, doch als Stoff, aus dem bewegende Opern zu gewinnen wären, taugen sie deshalb noch lange nicht. Statt auf der Bühne Probleme des banalen...
