Catalani: La Wally
Letzter Akt: Wenn Wally im diffusen Licht des eisigen Gebirges, in das sie sich zurückgezogen hat, verzweifelt, einsam, schuldbeladen und dem Wahnsinn nahe, Berg- und Schneegeister zu sehen glaubt, erhält die Berner Inszenierung von Catalanis Dramma lirico für einen Augenblick eine irreale Note – ein Regieansatz, der für dieses eigenwillige Stück durchaus fruchtbar zu machen wäre. Die Szene erinnert entfernt an Andersens wunderbares Märchen von der Eisjungfrau. Ob diese Assoziation indes gewollt war, ist angesichts des sonst platten Realismus der Berner Inszenierung zu bezweifeln.
1953 hatte die neunzehnjährige Renata Scotto an der Mailänder Scala in «La Wally» als Zitherspieler Walter debütiert. Dies war der Anfang einer außergewöhnlichen Theaterkarriere. Jetzt hat sie das Werk für das Stadttheater Bern in Szene gesetzt, oder richtiger: deren Personal auf die Bühne «gestellt», denn Scottos Regie erinnnerte in ihrer Harmlosigkeit eher an Dorfschwänke und Volkstheater. Büchsenknallen und munteres Hüteschwenken, grollende Blicke, Verzweiflungsgesten und hassgetränkte Mimik, das sind Ausdrucksmittel, die Talma bereits vor zweihundert Jahren als outriert und peinlich verworfen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Westen nichts Neues. Nach wie vor ungewiss bleibt die Zukunft des Saarbrücker Staatstheaters. Ungeachtet des massiven öffentlichen Protests besteht der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier auf der drastischen Reduktion des Theateretats um (fast) 25 Prozent (von derzeit 24,5 auf 18,5 Millionen Euro) bis 2009, die das Haus praktisch in die Knie zwingen...
Eine einzige Zeile benötigte Alois Ferdinand Ludwig Ritter von Köchel für seine Registrierung der Sopranarie «Per pietà, bell´idol mio» als Nummer 78 in seinem «Chronologisch-thematischen Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Wolfgang Amade Mozarts». In Helmut Kirchmeyers «Kommentiertem Verzeichnis der Werke & Werkausgaben Igor Strawinskys» nimmt die Nummer 78 nicht...
Die permanente Androhung von Missbrauch, Vergewaltigung und Mord kann Menschen mürbe machen. Auch Cleopatra ist am Ende von Händels «Giulio Cesare» schier wahnsinnig geworden vor Todesangst und kann ihre letzte Arie nur scheinbar fröhlich trällern – wie ein Kind, das es schaudert, in den Keller zu gehen. Diese Cleopatra zittert am ganzen Leib, will sich nicht...
