Catalani: La Wally
Letzter Akt: Wenn Wally im diffusen Licht des eisigen Gebirges, in das sie sich zurückgezogen hat, verzweifelt, einsam, schuldbeladen und dem Wahnsinn nahe, Berg- und Schneegeister zu sehen glaubt, erhält die Berner Inszenierung von Catalanis Dramma lirico für einen Augenblick eine irreale Note – ein Regieansatz, der für dieses eigenwillige Stück durchaus fruchtbar zu machen wäre. Die Szene erinnert entfernt an Andersens wunderbares Märchen von der Eisjungfrau. Ob diese Assoziation indes gewollt war, ist angesichts des sonst platten Realismus der Berner Inszenierung zu bezweifeln.
1953 hatte die neunzehnjährige Renata Scotto an der Mailänder Scala in «La Wally» als Zitherspieler Walter debütiert. Dies war der Anfang einer außergewöhnlichen Theaterkarriere. Jetzt hat sie das Werk für das Stadttheater Bern in Szene gesetzt, oder richtiger: deren Personal auf die Bühne «gestellt», denn Scottos Regie erinnnerte in ihrer Harmlosigkeit eher an Dorfschwänke und Volkstheater. Büchsenknallen und munteres Hüteschwenken, grollende Blicke, Verzweiflungsgesten und hassgetränkte Mimik, das sind Ausdrucksmittel, die Talma bereits vor zweihundert Jahren als outriert und peinlich verworfen ...
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