Trost aus dem Jenseits
Asle und Alida sind, anders als die meisten Opern-Liebespaare, nicht aneinander gescheitert. Sie wussten sofort, dass sie zueinander gehören. Ihr Scheitern verantwortet die Gesellschaft, wenngleich sie beide große Schuld mit sich tragen. Mit einer Maria-und-Josef-Herbergssuche kurz vor der Niederkunft beginnt die Geschichte – doch der Autor will nichts hören von literarischen oder geschichtlichen Vorbilder. Die wichtigste skandinavische Liebesgeschichte der Gegenwart stammt aus der Feder von Jon Fosse und ist noch sehr jung: «Trilogien» wurde zwischen 2008 und 2016 veröffentlicht.
Den Roman in ein Musiktheater umzuwandeln, ist eine Herausforderung: Im Original kommt eigentlich keine direkte Rede vor, die Sätze flimmern wie Cirruswolken, mit opalisierenden Wiederholungen, in ununterbrochenem Erzählfluss. «Trilogien» ist eigentlich ein Kammerspiel mit Rückblenden, Tagträumen und mäandernden Gedanken. All das mit einer etwas nordisch-eigenbrötlerischen Kargheit versehen – daraus ein Libretto zu kondensieren, kann das funktionieren? Fosse, berühmt auch für seine Theaterstücke, hat die Umarbeitung für den dänischen Komponisten Bent Sørensen eigenhändig vorgenommen.
Auf der Bühne sind ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Stephan Knies
Der Anfang ist eigentlich schon das Ende. Ein Mann im schwarzen Anzug, allein und einsam auf weiter, weißer Flur (Bühne: Klaus Grünberg). Wir ahnen, es ist der Titelheld, jener legendenumsponnene Pharao, der im 14. Jahrhundert v. Chr. eine Zeitlang über Ägypten herrschte und von dem man wenig mehr weiß. Und selbst dieses Wenige hüllt seine Gestalt mehr in Nebel,...
Mangelnde Aktualität: Das war einer der stärksten Vorwürfe, denen sich die Gattung Oper in den vergangenen Jahrzehnten ausgesetzt sah. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Existenz des Musiktheaters als kultureller Selbstzweck immer mehr in Frage gestellt wurde, ging es plötzlich darum, was die Oper denn überhaupt «bringe»: was genau ihre Stoffe vermitteln könnten,...
Zwei Königinnen. Durch beider Adern fließt, wiewohl in unterschiedlicher Konsistenz, kobaltblaues Tudor-Blut, mithin der uneingeschränkte Wille zur Macht. Viel mehr als diese Neigung aber verbindet die Frauen nicht. Weder der Glaube (sei es der an Gott, den Allmächtigen, ans Leben selbst oder an die Liebe) noch die Weltanschauung. Maria Stuart, Schottlands...
