Editorial Opernwelt 5/25
Mangelnde Aktualität: Das war einer der stärksten Vorwürfe, denen sich die Gattung Oper in den vergangenen Jahrzehnten ausgesetzt sah. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Existenz des Musiktheaters als kultureller Selbstzweck immer mehr in Frage gestellt wurde, ging es plötzlich darum, was die Oper denn überhaupt «bringe»: was genau ihre Stoffe vermitteln könnten, das über den Horizont des rein persönlichen Erlebens hinausreiche. Die Frage nach der Aktualität wurde zum Antriebsrad des Regietheaters.
Regisseurinnen und Regisseure mühten sich, den herrschenden Vorstellungen von Relevanz gerecht zu werden, oft verkrampften sie dabei oder verirrten sich in zwanghaft verfolgten Konzepten. Die Kritiker ächzten, verrissen, freuten sich aber auch, wenn doch immer wieder Regie-Ideen aufgingen oder augen- und ohrenöffnende Momente entstanden.
Von «Zeitenwende» ist derzeit viel die Rede. Sie betrifft auch die Oper: Plötzlich erscheinen viele Stoffe so aktuell, dass vielfach von einem «Stück der Stunde» die Rede ist. Allein in diesem Heft fällt eine ganze Reihe von Bühnenwerken unter diesen Begriff: Walter Braunfels’ «Die Vögel», mit ihrer Fabel vom Aufbau eines imperialistischen Staates (über ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Clemens Haustein
Streiter für Tugend, heil’ge Kraft, himmlische Taube, der Vater einst reiner Tor, dann Gralsretter – wer’s glaubt. So edel all dies von Klaus Florian Vogt wieder vorgetragen ist, mit seit einiger Zeit erstaunlich stabilen dramatischen Werten, es bleibt doch eine Lüge, zumindest ein (Sich-)Zurechtbiegen der Wirklichkeit. Darüber kann auch Lohengrins Gesang nicht...
Nicht wenige Opernkomponisten (und keineswegs nur diejenigen, die lediglich eines geschrieben haben, wie Beethoven) werden auf ein einzelnes Werk reduziert. Bei Carl Maria von Weber etwa denkt jeder sofort an den «Freischütz». «Oberon», «Euryanthe» und «Silvana» hingegen fristen ein trauriges Schattendasein. Camille Saint-Saëns wird wohl noch in 100 Jahren als...
Dass das «Opera Forward Festival» der Zeit vorauseilen will, steckt ja schon in seinem Namen. Dass es sich sogar selbst überholt, erstaunt dann aber doch: Bereits während des laufenden Festivals stellte Sophie de Lint, die Intendantin der Amsterdamer Nationaloper, das Programm des kommenden Jahrgangs vor. Das tat sie wohl auch deshalb, weil es 2026 eine...
