Tretet näher, schwankende Gestalten!

Schon sein erstes Erscheinen in Donaueschingen machte klar: Hier komponiert einer, der das Andere sucht. Was das angeht, ist sich Manfred Trojahn, der im Oktober 75 Jahre jung wird, bis heute treu geblieben. Ein Gespräch über Väter und Söhne, Konjunktive in der Oper, dichterische Vorlieben und das Dasein in der klanglichen Trümmerwüste Welt

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Lieber Herr Trojahn, in diesem Monat erlebt Ihr «Orest» in Kopenhagen seine sechste Inszenierung seit der Amsterdamer Uraufführung 2011. Damals haben Sie in einem Interview über den Protagonisten, der als suchender Held zwischen zwei archaischen Systemen steht – dem Matriarchat, das den Gattenmord erlaubte, und einer neuen patriarchalischen Ordnung –, gesagt: «Wie alle meine Helden geht er am Schluss fort, ohne eine Antwort auf unsere Fragen zu geben.

» Der Dirigent Vitali Alekseenok hat anlässlich der Uraufführung Ihrer «Septembersonate» im Dezember 2023 in Düsseldorf von einer «Konjunktiv-Oper» gesprochen. Ist dieses Konzept eine moderne Antwort auf die schwankenden Opernhelden des 19. Jahrhunderts?
Robert von Ranke-Graves deutet den Mythos um Orest auf eine Weise, die mir, im Versuch die Person des Orest zu beschreiben, gelegen kam. Ich bin ja kein Historiker, sondern ich gehe mit den Fakten und Annahmen so um, wie es für meine Erzählung richtig ist, und der Konflikt des Orest, der zwischen zwei Rechtssysteme gerät, war für den Beginn der Oper das Richtige. Die weitere Entwicklung des Stückes zeigt dann einen Orest, der sich von den Zwängen der gesellschaftlichen – und auch der ...

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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: Interview, Seite 57
von Klaus Heinrich Kohrs

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