Très charmant
Ganze 13, in den Jahren zwischen 1869 und 1884 entstandene, Mélodies sind es, die dem schmalen Œuvre Henri Duparcs (1848–1933) eine Schlüsselstellung in der Entwicklung des französischen Kunstlieds sichern. Eine seelische, von der Lyrik Baudelaires inspirierte Ausdruckswelt verbindet sich dabei mit Wagners hochexpressiver Harmonik zu einem Liedstil, der für den gleichaltrigen Fauré und später für Debussy zum Vorbild werden sollte, mit seiner visionären Imagination zugleich aber hohe Anforderungen an die Interpreten stellt.
Emmanuel Cury, ein diskografischer Nobody, der auf eine lange Karriere als Sänger, Tänzer, Gesangslehrer und Leiter einer Zirkusschule zurückblicken kann, kommt mit Duparcs anspruchsvollen Solitären, die er in der Reihenfolge ihres Entstehens für das französische Independent-Label Calliope aufgenommen hat, erstaunlich gut zurecht. Er besitzt keine klangvolle, gar schöne Stimme. Im Gegenteil, sein Ton klingt trocken, in der Höhe angestrengt, bricht unter Druck oft aus und strömt nicht frei, entspannt dahin. Und dennoch trifft er den entscheidenden, den inneren, melancholisch-depressiven Ton dieser Lieder. Cury deklamiert eloquent, legt, von der Pianistin Sandra ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Uwe Schweikert
Machen wir uns nichts vor: Die Welt, sei sie alles, was der Fall ist (wie Wittgenstein sagt), sei sie Inbegriff möglicher oder wirklicher Tatsachen, hat sich in den vergangenen zwölf Monaten radikal verändert. Die condition humaine zeigt sich in neuem Licht: trüber, trister, ja beinahe utopielos. Geblieben sind hingegen die Begriffe, mit denen Welt erfasst wird,...
62. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752341
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion@opernwelt.de
...
Unselige Stunden, zunächst. Denn in der dunklen Dämmerung, da dieser Beitrag begonnen wurde, beschädigte Deutschland seinen Ruf. Zumindest den auf dem grünen Rasen, der nach 2014 in Rio de Janeiro ohnehin kaum mehr bestätigt wurde, sondern ständig gefährdet war. Am Ende jenes Abends also, da Spanien Deutschland im opernträchtigen Sevilla dramatisch mit 6:0...
