Nachdenken über die Gegenwart
Zum Salzburger Vermächtnis Gerard Mortiers gehören nicht nur die Öffnung des Musiktheater-, Schauspiel- und Konzertprogramms für die Gegenwart, sondern auch das öffentliche Nachdenken über Grundfragen unserer Zeit. Dass die Künste ihren Sinn verlieren, wenn sie kulinarisch entschärft werden, vor der unsicheren, krisenbehafteten menschlichen Existenz fliehen, war für ihn eine Prämisse, die sein dramaturgisches Selbstverständnis zeitlebens bestimmte.
Wenn Mortier die «Festspiel-Dialoge», die er 1993 mit dem Philosophen und Kulturwissenschaftler Michael Fischer anstieß, «einen der wichtigsten Bausteine des neuen Salzburgs» nannte, so ist das nicht bloß eine kokette Formel.
Die Aktualität, Relevanz und thematische Spannweite der Reihe dokumentiert nun ein Band, der 39 Beiträge namhafter Wissenschaftler, Künstler und Publizisten aus zwei Jahrzehnten (1994–2014) versammelt. Ein inspirierendes Diskursfeld, das die Modernität der Liebes- und Todeserfahrung bei Shakespeare (Aleida Assmann) oder ein Plädoyer für die ekstatisch-verführerische Natur ästhetischen Erlebens (Karl Heinz Bohrer) ebenso einbegreift wie eine Erörterung über (Willens-)Freiheit und neuronale Steuersysteme aus Sicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Albrecht Thiemann
Ganze 13, in den Jahren zwischen 1869 und 1884 entstandene, Mélodies sind es, die dem schmalen Œuvre Henri Duparcs (1848–1933) eine Schlüsselstellung in der Entwicklung des französischen Kunstlieds sichern. Eine seelische, von der Lyrik Baudelaires inspirierte Ausdruckswelt verbindet sich dabei mit Wagners hochexpressiver Harmonik zu einem Liedstil, der für den...
Diesem sogenannten richtigen Licht kam ich sehr nahe bei Katharina Wagners Inszenierung von «Tristan und Isolde» in Bayreuth 2015. Die Bilder trage ich immer noch in meinem Kopf – die Arbeit war ein Meilenstein in meinem beruflichen Leben. Im «Tristan» symbolisiert die Nacht bekanntlich die innerliche Welt der wahren, uneingeschränkten Liebe, im Gegensatz steht der...
Gedacht waren die drei Gedichte als Trost. Als Hinweis an den Freund, hier habe doch ein Mensch vor knapp 400 Jahren das in Worte gefasst, was Wolfgang Rihm, den schwer Erkrankten, gerade bewegte. Mag bei Bariton Georg Nigl keine Absicht dahinter gesteckt haben, doch wer einem Komponisten Texte schickt, muss mit Vertonung rechnen. In diesem Fall wurde es ein...
