Ein Zauber, der wirkt

Alex Ross entwirft in seinem Buch «Die Welt nach Wagner» ein fesselndes Panorama der frühen Moderne

Giuseppe Verdi war erschüttert. «Vagner è morto», entfuhr es dem grande compositore, als er 1883 vom Tod seines deutschen Widerparts erfuhr. «Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Kunst hinterlässt.» Verdi ahnte, als er die Worte notierte, wohl kaum, wie tief diese Spuren sich ins Gedächtnis der (nicht nur) gesamtkunstwerkinteressierten Menschheit eingraben würden.

Angefangen mit dem Kult, der direkt nach des Komponisten Dahinscheiden einsetzte, fortgeführt mit Tausenden Anverwandlungen in Theater, Tanz, Literatur, Architektur und Bildender Kunst, bis hin zu politischen Meinungsbildungsprozessen sowie zum Teil kruden Assimilierungsversuchen und psychoanalytischen Deutungsmustern – man denke nur an den genialischen Fantasten Otto Weininger. Der Zauber Wagners war, nicht immer zum Vorteil für sein Werk, gigantisch, ja gargantuesk. Und bisweilen grotesk.

Alex Ross, Publizist und Musikkritiker des «New Yorker», ist ihm nachgegangen. Legt man seine akribische, auf vielen verschlungenen Pfaden wandelnde Untersuchung «Die Welt nach Wagner» aus der Hand (empfindliche Gemüter, die dem Werk Wagners ohnehin kritisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 33
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Unser tägliches Brot

Kultur ist, im Wortsinne, Lebensmittel.» Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier formulierte diesen Satz – als Videobotschaft – bei passendem Anlass: vor dem offiziellen Festkonzert zum 250. Tauftag Ludwig van Beethovens am 17. Dezember 2020 im Bonner Opernhaus. Auch dieses Konzert in der Geburtsstadt des Meisters fand ohne Publikum statt: «Dafür aber mit umso...

Auf schmalem Grat

Eine Jubiläumspremiere der besonderen Art. Auf den Tag genau 100 Jahre nach der Uraufführung kam Korngolds «Die tote Stadt» am 4. Dezember 2020 an der Oper Köln heraus. Es war mehr als eine Verbeugung vor der großen Tradition des Hauses (1920 hatte der damalige Musikchef Otto Klemperer dirigiert, auch wenn er das Stück nicht mochte). Nein, diese Premiere – Corona...

Personalien, Meldungen Februar 2021

JUBILARE

Gabriele Schnaut studierte Musikwissenschaft und Violine in Mainz und absolvierte anschließend ihre Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main bei Elisa Cavelti. Als Alt-Solistin in den Kantaten und Oratorien Bachs machte sie bereits während ihres Studiums, das sie als Stipendiatin der Studienstiftung des...