Traurig aktuell
Die Schwarzweiß-Fotografie im Programmheft zeigt eine hübsche junge Frau, Frisur und Kleidung ganz im Stil der frühen 1940-er Jahre. Sie lächelt jugendlich-frisch, leicht verlegen in die Kamera, und es fällt schwer zu begreifen, dass sie nur wenige Jahre nach der Aufnahme nicht mehr leben durfte – in den Tod getrieben von Nazi-Deutschland und seinen französischen Kollaborateuren.
Als Jüdin wird Hélène Berr im Frühjahr 1944 mit ihrer Familie aus ihrer Pariser Wohnung deportiert – ein Jahr später, nur wenige Wochen vor Kriegsende, stirbt sie an Erschöpfung und Typhus im KZ Bergen-Belsen. Ihren (zunächst noch von leiser Hoffnung angewehten) Leidensweg hat die Literaturstudentin in ihrem Tagebuch festgehalten – ein sensibles, intimes, extrem reflektiertes Dokument jener furchtbaren Tage.
Als der Komponist Bernard Foccroulle sich zwischen 2019 und 2020 mit der Komposition seiner Kammeroper «Le Journal d’Hélène Berr» befasste, konnte er vielleicht nicht ahnen, welch traurige Aktualität der Stoff inzwischen wieder bekommen hat. Dass jüdische Menschen nur 80 Jahre nach dem Holocaust in Europa um ihre Unversehrtheit bangen müssen, ist unfassbar, skandalös. «Können sie von christlicher ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alexander Dick
Eine Königin kehrt zurück. Doch nicht im Triumphmarsch betritt sie an diesem 19. August 1561 im schottischen Leith heimatliche Gestade. Sie kommt, begleitet von fürstlichen Frauen, frierenden Fräuleins und ernstgestimmten Edelmännern, als Witwe eines gut neun Monate zuvor verstorbenen Königs, der im Grunde nie zum König taugte. Ein Knabe von schwächlicher...
Skandale gibt es, im Leben wie in der Kunst, immer wieder. Sie sind unverzichtbares Element beider Sphären und nicht selten dazu angetan, die Aufmerksamkeit für einen Vorgang zu erhöhen, der womöglich sonst von der Rezeption vergessen oder doch zumindest nicht in gleicher Weise Beachtung finden würde. Während jedoch politische Skandale allein aufgrund ihres...
Anders als Schubert und Schumann hat der Liederkomponist Brahms keinen wirklichen Zyklus geschrieben, wenn man als Bedingung der Form eine lineare Dramaturgie voraussetzt. Am nächsten ist er ihr noch mit den «Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone» op. 33 gekommen. Die Texte der fünfzehn sukzessiv in den Jahren 1861 bis 1868 entstandenen und in fünf Einzelheften...
