Traurig aktuell
Die Schwarzweiß-Fotografie im Programmheft zeigt eine hübsche junge Frau, Frisur und Kleidung ganz im Stil der frühen 1940-er Jahre. Sie lächelt jugendlich-frisch, leicht verlegen in die Kamera, und es fällt schwer zu begreifen, dass sie nur wenige Jahre nach der Aufnahme nicht mehr leben durfte – in den Tod getrieben von Nazi-Deutschland und seinen französischen Kollaborateuren.
Als Jüdin wird Hélène Berr im Frühjahr 1944 mit ihrer Familie aus ihrer Pariser Wohnung deportiert – ein Jahr später, nur wenige Wochen vor Kriegsende, stirbt sie an Erschöpfung und Typhus im KZ Bergen-Belsen. Ihren (zunächst noch von leiser Hoffnung angewehten) Leidensweg hat die Literaturstudentin in ihrem Tagebuch festgehalten – ein sensibles, intimes, extrem reflektiertes Dokument jener furchtbaren Tage.
Als der Komponist Bernard Foccroulle sich zwischen 2019 und 2020 mit der Komposition seiner Kammeroper «Le Journal d’Hélène Berr» befasste, konnte er vielleicht nicht ahnen, welch traurige Aktualität der Stoff inzwischen wieder bekommen hat. Dass jüdische Menschen nur 80 Jahre nach dem Holocaust in Europa um ihre Unversehrtheit bangen müssen, ist unfassbar, skandalös. «Können sie von christlicher ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alexander Dick
JUBILARE
Helga Dernesch eroberte sich als Ensemblemitglied in Bern, Wies -baden und Köln sukzessive das hochdramatische Sopranfach, bevor sie 1967 mit der Elisabeth erstmals eine große Wagner-Partie bei den Bayreuther Festspielen sang. Bei den Salzburger Osterfestspielen gehörte die gebürtige Wienerin zu den bevorzugten Sängerinnen des Dirigenten Herbert von...
Zwei Frauen sitzen nebeneinander. Um sie herum stapeln sich Briefe, Fotografien, alte Unterlagen und Dinge, die einmal Bedeutung gehabt haben. Die beiden Frauen suchen nach den Spuren eines Bewusstseins, das im Begriff ist, sich aufzulösen. Es sind Ellen und ihre erwachsene Tochter Ilse. Ellen hat Alzheimer. Die Sache wird noch komplizierter, als Ellen sich in den...
Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.» Mephistos kryptisch-dialektische Antwort auf Fausts Frage in Goethes Tragödie hat Generationen von Interpreten beschäftigt. Auch Michail Bulgakow, der das Zitat seinem satirischen Roman «Der Meister und Margarita» aus dem Jahr 1940 vorangestellt hat. Dort...
