Augen zu, Ohren auf
Schnee liegt im Winter auf den Bergen rund um Erl, Schnee liegt auch auf der Bühne der Tiroler Festspiele, inmitten von allerlei brüchigem Mobiliar. Die kosmische Ordnung ist zertrümmert, der Frühling kehrt nicht wieder – so erzählt es Nikolai Rimski-Korsakow in «Snegurotschka», seit Mutter Frühling und Väterchen Frost miteinander das titelgebende «Schneeflöckchen» gezeugt haben. Eher nach der Mutter kommend, will es zu den Menschen, an die Sonne, auch wenn das für ein Schneeflöckchen naturgemäß Gefahr bedeutet...
Mit der Bearbeitung des gleichnamigen Märchendramas von Alexander Ostrowski folgte Rimski-Korsakow laut eigener Auskunft der «Neigung zu altrussischen Gebräuchen und zum heidnischen Pantheismus». Die Partitur verblendet vogelzwitschernde Naturmystik mit avancierter Harmonik und Rhythmik, Volksmusikalisches und Kirchentonales mit einer gänzlich unwagnerianischen Leitmotivtechnik, Genrevolksszenen wie das Austreiben des Winters in der Butterwoche mit der raffinierten Instrumentation, für die Rimski-Korsakow zu Recht berühmt ist – alles unter dem Primat eines epischen Erzählens, das es mit Strichen und zwei Pausen in Erl auf viereinviertel Stunden bringt (Dass ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Stallknecht
Die Hölle, das sind für den lärmempfindlichen Admiral Sir Morosus die Anderen. Der geliebte Neffe hat die Juristerei an den Nagel gehängt und sich eine Operntruppe nebst singender Gattin Aminta angelacht. Woraufhin der empörte Onkel ihn enterbt und seinen Lebensabend mit einer schweigsamen Frau verbringen will. Als brachiale Rosskur für den Alten wird eine tönende...
Seiner großen, noch dazu unerfüllten und verbotenen Liebe ein noch größeres Denkmal zu setzen, wagte Richard Wagner mit «Tristan und Isolde». Doch das Gigantische und Grenzensprengende der «Handlung in drei Aufzügen» brachte Proben und Aufführungen an den Rand des Scheiterns: Als unspielbar galt der Orchesterpart, der Dissonanzspannungen auftürmt und emanzipiert,...
Schräg hinterhalb des Musentempels, in der Via Brera, gibt es das i-Tüpfelchen für den Abend zu kaufen. Wer will, kann sich zur Serata Inaugurale mit dem ultimativen Divenduft einstäuben, «The Merchant of Venice», ein versteckter Laden, bietet «Maria Callas – Eau de Parfum» an. Ansonsten feiert Mailand den 100. Geburtstag der Unerreichbaren mit zwei Ausstellungen...
