Traum vom Messias
Nach der Premiere hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender auf die Frage, ob man denn in Wien konservativer sei als anderswo, einen schönen Satz mit Nestroy-Qualität geprägt: «Die Wiener sind durchaus fürs Neue. Nur ändern darf sich nix.» Da aber nun Regisseur Barrie Kosky einiges an den gewohnten Topoi in «Lohengrin» zu ändern suchte, schien die Wiener Opernseele gekränkt, was sich beim Auftritt des Regieteams zum Schlussvorhang in einem elefantösen Buhkonzert äußerte.
Kosky interessierte sich nicht für die historischen und politischen Bezüge des Werks wie etwa Katharina Wagner in Budapest bei ihrem durch die deutschen Lande reisenden «Treuhand»-Lohengrin mit dem Schwanenemblem auf dem Aktenkoffer. Sondern er spielte dem Publikum eigentlich in die Tasche, indem er ein Märchen erzählte – freilich ein heutiges. Einen «kollektiven Traum über die Notwendigkeit eines Messias» (Kosky) wollte er schildern, auch den Traum – und das Trauma – Elsas, die im Schock über den Verlust ihres Bruders Gottfried das Augenlicht verlor. Die Vorboten von Jung und Freud, die Kosky im «Lohengrin» erkennt, spiegeln sich in den Figuren von Ortrud und Telramund, die quasi als Jung’sche «Schatten» von Elsa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Einstweilen (...) singe ich unter anderem gar oft und mit unaussprechlichem Vergnügen die Partie des Oedib in der Musik von Sacchini. Sie ist bei uns (in Berlin) gegeben worden, wie man mir gesagt hat, und hat wenig Beyfall gefunden; gewiss nur bey denen, die es nicht verstehen, innere Schönheiten eines Kunstwerkes durch eine fehlerhafte Exekution durchzufühlen;...
Die Opern Dallapiccolas gehören fraglos zu den bedeutendsten italienischen Beiträgen zum Musiktheater des 20. Jahrhunderts. Entsprechend gut ist das Œuvre des Komponisten durchforscht. Der 2002 vom Florentiner Mario Ruffini herausgegebene Werkkatalog war abgeschlossen – zumindest schien es so. Im vorigen Jahr jedoch entdeckte Ruffini im Fondo Dallapiccola ein...
Den hundertsten Geburtstag von Anton Dermota (1910-1989) wollte die österreichische Firma Preiser wohl nicht abwarten, um den großen Tenor zu ehren, der mehr als vier Jahrzehnte lang Star und Stütze des Wiener Staatsopernensembles war. Auch der fünfundneunzigste erschien als ein guter Anlass, auf drei CDs Opern- und Liedaufnahmen des Sängers zu veröffentlichen,...
